



Fotos: D. Ecken




Fotos: D. Ecken
Im Rahmen einer Videoproduktion war unser Life & Images-Team mit einem Personal-Trainer und zwei Protagonisten auf dem „Trimm-Dich-Pfad“ im Berliner Grunewald unterwegs. Wie der Name bereits verrät, kann man sich dort fitmachen oder -halten. Von Dehnübungen und Klimmzügen über Baumstammtragen und Sprossenklettern bishin zum Hürdenlauf: Auf der mit etwa 20 Wegweisern versehenen Route ist garantiert für jeden Sportbegeisterten etwas dabei.
Der vor allem an sonnigen Wochenenden gut besuchte Pfad wurde im August 2006 im Rahmen der nationalen Kampagne „Treffpunkt Wald – Wald gewinnt“ rundum erneuert. Erstmals angelegt wurde er schon in den 1970er-Jahren.
Wie dem auch sei: Unsere Dreh- und Fotoarbeiten wurden kurz unterbrochen, als eine Trainingseinheit der Bundespolizeit uns im wahrsten Sinne des Wortes durch das Bild lief.
Hier ein kleiner Schnappschuss von der Situation.

Weitere Bilder aus der Reihe findest Du HIER.
Ein unbekannter „Künstler“ wollte sich hier am Rosenthaler Platz in Berlin Mitte wohl zumindest teilverewigen. Dem kleinen Mädchen hat’s gefallen.
Schön anzusehen das Werk – und doch hat das Farbspektakel die Auto- und Radfahrer sowie die Fußgänger ziemlich irritiert. Zum Teil blieben sie mitten auf der Kreuzung stehen und schauten sich ratlos um. Ruckzuck war der gesamte Platz voller Menschen, die bei offenem Mund einfach nur staunten oder – so wie ich – ihre Handykameras starteten.
Aber da kann doch nicht einfach irgendwer kommen und die Straße mit Farbe zukleistern? Und wer soll das vom Asphalt, von den Autoreifen und Klamotten abwaschen?
Der Künstler agierte in weiser Voraussicht:
Wasserlöslich. Schadstofffrei. Biologisch abbaubar – na dann!
Er ist um die siebzehn Jahre alt. Gedankenverloren sitzt er da auf dieser Steinmauer. Er wirkt traurig. Ihm zur Linken eine blühende Wildkirsche. Ein absurder Anblick ist das. Er hält ein Foto in der Hand. Ich beobachte ihn eine Weile aus der Ferne. Minutenlang starrt er auf das Bild. Ein kurzer Blick zu mir, er hat mich entdeckt. Er ist traurig. Mutig gehe ich auf ihn zu und setze mich neben ihn. Irgendetwas sagt mir, dass er nicht allein sein möchte. Sonst wäre er auch gar nicht hier.
Auf dem Bild ist eine junge Frau zu sehen. Ein mittelblonder Pferdeschwanz, ein freches Gesicht mit Sommersprossen – vermutlich aus dem vergangenen Sommer.
„Sie ist so schön.“ Eine Träne kullert ihm über das Gesicht. Er wischt sie schnell weg und schaut mich zaghaft an. Dann brennt sich sein Blick regelrecht in meine Augen.
„Es tut so weh!“ Er sagt es so, als wäre ich sie. Als wäre ich schuld daran. Richtig zornig sieht er aus.
Ich zucke zusammen. „Ja, das tut es immer. Vor allem dann, wenn es wirklich schön war.“ Ich weiß nicht richtig, worum es geht, ahne es nur. Verlegen wackele ich mit den Beinen.
„Stör ich Dich?“
„Das war es. Schön war es, mein ich.“ Er zieht das erste Wort besonders in die Länge. „Nein, störst nicht. Sie hat ’nen Neuen. Ich fühl‘ mich so ausgetauscht … so beliebig. Verstehst?“
Ich nicke.
Er redet, unaufhörlich. Ich sitze einfach da und höre zu.
„Weißt, am schlimmsten sind die Erinnerungen. Erinnerungen, die ich hab und die sie vielleicht gar nich hat. Oder nich mehr haben will.“
Ich schweige weiter. Es gibt nichts Passendes zu sagen. Er hat recht.
Er redet, eine halbe Stunde höre ich ihm zu. Nicke, lächele, bin traurig.
Ich klopfe ihm sanft auf die Schulter. „Das wird wieder. Glaub mir.“
Dann muss ich leider los.