„Pata Pata“: Gleichheit und Gerechtigkeit

Es ist Dienstagmorgen. Die Kinder sind in der Schule und im Kindergarten. Und ich arbeite. Eigentlich …

Denn jetzt erscheint in meiner Playlist die melodiegewordene Elegie „Pata Pata“ der längst verstorbenen, kapstädtischen Sängerin Miriam Makeba. (Ihr vollständiger Name lautet übrigens: Zenzile Makeba Qgwashu Nguvama Yiketheli Nxgowa Bantana Balomzi Xa Ufun Ubajabulisa Ubaphekeli Mbiza Yotshwala Sithi Xa Saku Qgiba Ukutja Sithathe Izitsha Sizi Khabe Singama Lawu Singama Qgwashu Singama Nqamla Nqgithi … Ob Miriam selbst ihn auswendig kannte? )

„Pata Pata“. Murmelt man diese etwas nach einer Zauberformel klingenden Worte einmal vor sich hin, kommt man vielleicht schon von selbst auf ihre Bedeutung: Pata – das ist „Xhosa“, eine der zahlreichen Amtssprachen Südafrikas, und bedeutet „Pfote“. Und was macht man mit eben so einer Pfote? Genau, man betritt den Boden, berührt ihn, legt sich auf ihn, windet sich auf ihm … „Pata pata“ dürfte gleichbedeutend sein mit „berühren, berühren“. Anfassen. Spüren. Erforschen.
Erklingt der Song, soll man tanzen, MUSS man tanzen; so jedenfalls fordert es die Sängerin mit der rauchigen, kraftvollen Stimme.

„Its pata pata time!“, schreit Miriam Makeba leidenschaftlich. Es ist ein Weckruf an Lebensfreude und „Afrika-Sehnsucht“. Gänsehautfeeling inbegriffen …

„Pata Pata“ ist wie so viele Songs der großartigen Afrikanerin eine Mischung aus Folklore und Jazz. Seit seinem Erscheinen 1967 wurde das Lied weltbekannt .

Intermezzo: Ein sehr enger Freund aus meinem Leben als Laienmusikerin korrgierte mich dazu wie folgt: „Alle ‚afrika-typischen‘ Musizierelemente wie Call-and-Response und Improvisation können eher umgekehrt als Einfluss auf den Jazz gesehen werden.“ Jo, ganz bestimmt. Aber: Was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? 😉

Die Sängerin jedenfalls liebte Tiere, Menschen aber verehrte sie. In ihrer Heimat liebevoll „Mama Afrika“ genannt, stellte die Künstlerin sich selbst und vor allem ihre wunderbaren Lieder in den Dienst von Freiheit und Gerechtigkeit. Es sind Stücke voller Melancholie, Protest und Stolz. Mehr brauche ich gar nicht schreiben. Fühlt ihr „es“?

Ich mache dann jetzt mal weiter im realen Leben.
Die Arbeit ruft. Schluss mit der Träumerei (jedenfalls fürs Erste …).

Wenn Kids flunkern

Am Abend: „Reingelegt mit Klopapier, eine Rolle schenk ich Dir!“ Mein Fünfjähriger hüpft aufgeregt um mich herum, der Schalk blitzt ihm aus den Augen.

Was ist passiert? Vor etwa einer Minute noch rief er: „Mama, hinter Dir steht ein Elch, wirklich!“ Ein Elch, hier. Ah! Ich verstehe: Der Piefke will mich vereimern. Na fein, dann spielen wir mal mit. „Wo?!“, rufe ich ebenfalls und drehe mich dabei hektisch um. Und dann ertönt es eben laut: „Reingelegt mit Klopapier … !“

K. freut sich diebisch, dass er es offensichtlich geschafft hat, seine Mama aufs Korn zu nehmen. Jetzt will es natürlich auch P. wissen. „Mama, guck mal, da draußen ist ein Storch!“ und zeigt aus dem Fenster. Na gut. Dann wollen wir mal … „Wo!?“ Ich. „Reingelegt mit Klopapier, eine Rolle schenk‘ ich Dir!“ Ich schlage mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Danke“, sage ich gespielt, aber betont würdevoll, „fürs Klopapier. Kann man immer gut gebrauchen.“ Die Knirpse lachen sich scheckig.

Vorletzten Samstag: Wir sitzen bei der Schwägerin an der Kaffeetafel. Sie fragt unseren Achtjährigen: „Die Ferien sind ja fast vorbei. Freust Du Dich auf die Schule?“ Ich weiß die Antwort: Und wie! Die sechs Wochen waren zwar schön, aber doch ziemlich lang … „Nö!“ Vehement schüttelt das Kind plötzlich den Kopf. Hm? „Wie? Du vermisst Deine Freunde gar nicht?“ Meine Schwägerin wundert sich doch sehr. Erneut: „Nö!“ Der lügt doch!

Lügen: eine Frage der Entwicklung
Bereits kleinen Kindern scheint das Lügen so richtig viel Spaß zu machen. Und auch ich bekomme mit, wenn meine Jungs flunkern – finde es aber ehrlich gesagt (noch) nicht so schlimm. Vorwürfe, ermahnende Diskussionen oder Schlimmeres sind da in meinen Augen wenig nutzbringend. Denn was tun die lieben Kleinen (und Größeren), die betraft werden, erfahrungsgemäß? Genau: noch mehr und heftiger lügen – aus Angst zum Beispiel. Ich versuche also, zunächst einmal den Grund fürs Flunkern herauszubekommen, denn irgendeine Absicht steckt nun mal hinter diesem Verhalten.

Wie denken andere darüber? In den sozialen Netzwerken frage ich ein paar Erwachsene, wie sie dem Thema „Lügen“ in ihrer Familie gegenüberstehen. Anne (43) aus Münster sagt: „Moralisch betrachtet finde ich Lügen auf der Erwachsenenebene schlimm. Kinderlügen messen wir meiner Meinung nach aber zu viel Gewicht bei; immerhin muss der Mensch im Laufe seines Lebens auch erst einmal lernen zu lügen. Dafür müssen wir unseren Kleinen den Raum geben.“

Das Spiel mit der Wahrheit
Eine Frage der Entwicklung also? Definitiv; darüber sind sich auch Kinder- und Jugendpsychiater einig: Das Spielen mit der Wahrheit gehört eben zur kindlichen Entwicklung. Ich lese noch einmal nach: nämlich, dass Kinder bis zu ihrem vierten Lebensjahr zwischen wahr und falsch sowieso noch keine klare Trennung ziehen können. Sie fantasieren, übertreiben, spielen mit imaginären Freunden … Das ist doch wunderbar, finde ich, und überhaupt kein Grund zur Sorge.

Mit etwa sechs Jahren, also im Vorschul- und frühen Schulalter, erlangen Kinder die Fähigkeit, komplexere Situationen zu überschauen und abzuschätzen: Wie kann ich die Wahrheit verändern? Was passiert, wenn ich einfach behaupte, mir bereits die Hände gewaschen zu haben? Das ist natürlich absolut harmlos und ohne jedwede böse Absicht. Würde aber zum Beispiel einer meiner Söhne dauerhaft falsch angeben, schon seine Zähne vorgeputzt zu haben, würde ich wieder konsequent mit dabei zu sitzen, bis ich wieder „sicher“ bin: Sie tun es auch wirklich. Denn hier geht es um etwas „Essenzielles“: Karies ist sowohl kurz- als auch langfristig wirklich richtig doof. (Und nebenbei erkennen die Kinder im übrigen, dass Wahrheit mit Vertrauen zu tun hat …)

Wo sind die Grenzen?
Der 43-jährige Sven lebt in der Nähe von Leipzig; er sagt dazu: „Ich habe zwar keine Kinder, glaube aber, dass sie flunkern/lügen, weil sie die Welt erforschen und verändern möchten.“
Und genau das ist es: Stück für Stück mehr Erfahrung mit dem Leben und der Welt sammeln, Antworten finden auf die Frage: Was ist „erlaubt“ und was nicht? Wo sind meine Grenzen, wo die der anderen?

„Für die Kleinen sind Begrifflichkeiten wie Lüge und Wahrheit noch keine festen Größen, es sind dehnbare Werte. Das Verstehen von Richtig und Falsch, von Lüge und Wahrheit muss sich erst langsam herausbilden“, fasst es Hubertus (55) aus Quakenbrück noch einmal prima zusammen. „Man kann einem Dreijährigen nicht das Verständnis abverlangen, das sich ein Zehnjähriger gerade so erarbeitet hat.“

Doreen, 49, aus Hamburg bespricht deshalb alles vis-à-vis mit ihren vier Kindern im Alter von sieben bis 17 Jahren – auch das Thema Unehrlichkeit. Und je nach Alter immer auf verschiedenem Niveau. „Meine Jungs und Mädels wissen: Menschen sind aus verschiedenen Gründen unehrlich: aus Unsicherheit, Höflichkeit. Ob kleine oder große Lügen: Sie helfen nun einmal auf lange Sicht nicht, wirklich etwas zu verändern. Wir vermitteln unseren Kindern: Ehrlichkeit kann Schmerzen verursachen; es ist aber immer noch besser als zu flunkern – zumal aus einem Geflunker auch schnell eine fette Lüge erwachsen kann, die schlimme Konsequenzen mit sich bringen kann, sowohl für den Lügner als auch für den Belogenen.“

Die sechsköpfige Familie redet offen über den Wert von Aufrichtigkeit und Vertrauen „und die Wertschätzung, die es bedeutet.“ Darf ich also der Oma sagen, dass ihr Geburtstagsgeschenk mir überhaupt nicht gefallen hat? „Ja!“, findet Doreen. „Aber bitte wertschätzend.“

Offenheit von Anfang an
Wie ist es aber beispielsweise mit Lügen, die anderen Kindern schaden? „Die sollte man auf keinen Fall mit einem Augenzwinkern abtun“, meldet sich die 44-jährige Grundschullehrerin Maike aus Bochum zu Wort. „Hier sollte das Kind zur Rede gestellt werden. Lehrer und Erziehungsberechtigte müssen erklären, dass man mit seinen Mitmenschen so nicht umgehen darf. Dazu bedarf es einer idealerweise bereits im Elternhaus vermittelten Offenheit in solchen Dingen.“

Sonja, 35 Jahre alt, aus München, hinterfragt zur Zeit tatsächlich ihr eigenes Verhalten: „Als ich einmal herausfand, dass mein achtjähriger Sohn für mein Empfinden und über einen längeren Zeitraum schlimm gelogen hatte, fragte ich ihn, warum er mir denn nicht gleich am Anfang die Wahrheit gesagt habe. Er begann das Weinen und erwiderte, er habe Angst vor Bestrafung gehabt und sich eben deshalb nicht getraut. Es wüteten wohl einige Dämonen in seinem Kopf … Da habe ich natürlich geschluckt und mich gefragt: War ich sonst zu streng? Ich versuche jetzt konsequent, meinem Kleinen zu vermitteln, dass er mir wirklich alles sagen darf und kann.“

Auch der 51-jährige Oldenburger Torsten sammelte in der Vergangenheit so manche negative Erfahrung mit dem sensiblen Thema: „Wenn meine Tochter damals log, beunruhigte mich das. Denn sie tat es aus Angst davor, Fehler oder Missgeschicke zuzugeben. Aus meiner Sicht war die Furcht unbegründet, es gab ja keine Strafen oder Gemecker, Fehler sind doch menschlich. Gleichwohl hat sie oft gelogen … Das hat sich inzwischen mit jetzt 18 Jahren gelegt.“

Alles braucht also seine Zeit – findet auch Hubertus – und hat gleich ein prima Schlusswort für diesen Text parat: „Lasst den Kindern doch erst mal ihre Sicht auf die Dinge, ihre Zeit zum Lernen und Verstehen ist schon kurz genug.“

Sammelsurium-Gläserregal für überall

Schulhofsteinchen oder Ostseemuscheln hier, Glitzer- oder Bügelperlen dort, Kleinigkeiten einfach überall? Und ihr wisst nicht mehr, wohin damit? Im Kinderzimmer meiner beiden Söhne – und eigentlich nicht nur dort – liegt einfach zu viel Kram herum.

Da ich selbst aber auch so eine „Sammelsuse“ bin, kommt mir beim Anblick zahlreicher leerer Marmeladengläser in der Garage eine zündende Idee: ein „Sammelsurium-Regal“. Alles, was man dazu braucht, sind einige Gläser mit Blechdeckel, kleine Schrauben und ein Holzbrett – Länge nach Wunsch.

„Jaaa!“, rufen meine beiden Jungs wie aus einem Munde, als ich ihnen den Vorschlag unterbreite, aus unseren gesammelten Weckgläsern ein Regal zu bauen. Und schon rennen die Bengelchen los, bringen herbei, was ich ihnen auftrage: die Gläser, ein Brett, einige Schrauben – und einen Dorn sowie einen Hammer.
Eine Anleitung in drei Schritten.

1. Das Brett aussuchen und vorbereiten

Wir haben uns für die übrig gebliebene Seite eines alten Kinder-Holzbettchens entschieden. Die Enden und Ecken sind bereits kindgerecht abgerundet. Falls dies bei euch nicht so sein sollte: bitte vorher das Material mit Sandpapier etwas abschleifen (rund muss gar nicht sein).

Wer möchte, kann sein Brett jetzt mit Kreide- oder sogar Magnetfarbe (ja, die gibt es tatsächlich, tolle Sache!), zum späteren Anbringen von Notizzetteln oder so, in der gewünschten Farbe anstreichen – wir belassen es erst einmal naturfarben. Wie ich meine beiden Söhne kennen, werden sie ohnehin nachträglich daran herummalen.
Habt ihr einen Musterhobel? Prima, dann mal her mit den wunderschönen, dekorativen Elementen am Holz.

2. Gläser anbringen

Wer es gern einheitlich mag, wählt für sein Regal Gläser derselben Marke und Form aus. Meine Jungs wollen es – natürlich und wie fast immer – wild durcheinander. Sie greifen sich etwa zehn Gläser, und die bringen wir nun am Brett an.

Dazu legen wir die Blechdeckel mit ihrer Oberseite auf die Unterseite des vorbereiteten Brettes. Gleichmäßiger Abstand oder mal weiter auseinander oder eben enger beisammen? Das entscheidet ihr selbst – und auch, ob ihr die Deckel vor dem Fixieren noch streicht.

Mit einem Dorn oder einer Rouladen-Nadel stecht ihr (hier kommt der Hammer zum Einsatz) zwei Löcher in den Deckel, eben damit ihr gleich die Schrauben besser eindrehen könnt. Dann: schrauben, schrauben, schrauben, bis die Schraube im Holz versenkt ist und eng am Blech anliegt. Vorsicht: Mit nur einer Schraube wird sich der Deckel später drehen, genau das soll er ja aber nicht. Wer mag, kann die Unterseite des Deckels mit den Schrauben noch bekleben und diese so „verstecken“.

3. Gläser befüllen und ran ans Regal

Möchtet ihr eure Gläser so lassen wie sie sind? Oder sollen sie vielleicht mit einem Glasboard-Marker beschriftet oder selbstklebenden Etiketten versehen werden? Oder wagt ihr euch an eine Gravur mit dem Dremel? Los geht’s: ran an die Gläser, befüllen und von unten an die Deckel drehen. Fertig ist das Marmeladenglasregal.
Viel Freude und Spaß beim Nachbauen.

Mondzeit: Wenn Frauen bluten

Autsch. Da ist es wieder, dieses Ziehen im Bauch – jeden Monat aufs Neue. Der „rote Baron“ ist gelandet, so sagt der Volksmund.
Ein heißer Tee, die Wärmflasche auf den Bauch.
Missmut und Misslaune, Unwohlsein und Unreinheit: Mit diesen und vielen anderen negativ behafteten Begriffen bringen viele Menschen vor allem aus dem westlichen Kulturraum den weiblichen Zyklus in Verbindung.


Nichts als Scham

Auffällig ist: Ausgerechnet hier, in der Welt des Fortschritts, der Aufklärung und Toleranz, schweigt man zu diesem Thema noch immer weitgehend schamhaft.
In einigen Teilen Deutschlands glaubten einige noch bis in die 1980er-Jahre hinein, das Blut menstruierender Krankenhaus-Assistentinnen würde die Qualität der Röntgenfilme beim Entwickeln beeinträchtigen …

Über die Jahrtausende hinweg ist selbst heutzutage in Industriestaaten von üblen magischen Kräften, bösen Flüchen und anderen Aberglauben die Rede. Und auch in der nicht weit zurückliegenden Vergangenheit lässt sich die Menschheit noch immer von derartigen Mythen beeinflussen.

Irgendwie erinnert mich das an ein anderes Thema: das „Langzeitstillen“. Wo man auch hinschaut: Brüste, mehr oder weniger offen zur Schau gestellt. Und da sitzt dann die stillende Mutter („Mama“: Lateinisch für „Brust“) eines Kleinkindes auf einer Parkbank. Man sieht eigentlich nur, dass das Kind trinkt. Eigentlich doch rührend. Aber da wird auch schon geschimpft und gelästert, was das Zeug hält.
Unter hinter besagtem Park an einem Hochhaus prangt das Plakat mit dem leicht bekleideten Model, das einen sexy Bra präsentiert. Eine ziemlich paradoxe Welt, in der wir da leben.


Lakotas und Mondzeit

Dabei hat das Thema Menstruation für viele Völker dieser Erde eine gewichtige Bedeutung. Naturvölker sehen den weiblichen Zyklus und insbesondere das Blut als wichtigen Bestandteil von Schöpfungsmythen. Das Blut als Inbegriff des Lebens symbolisiert seit jeher den Zyklus von Leben und Sterben und gilt aus diesem Grund als heilig.

Die Lakota-Indianer glauben, die Menschheit sei aus „Mondblut“ erschaffen worden. Mondzeit: So nennen sie auch den weiblichen Zyklus. Ist das nicht einfach zauberhaft? Ehrerbietend?
Beginnt also die Mondzeit („Menses“), reinigt die Natur die Frau, verbindet sie mit der „Erdmutter“. Es ist gewissermaßen die respektvolle Zelebrierung des Urweiblichen. Begriffe, die damit in enger Verbindung stehen: spirituelle Energie, kosmische Kräfte, Universum und Meditation.

Bei den Lakotas wird die erste Menstruation regelrecht zelebriert. Unter anderem mit dem „Werfen des Balls“. Gebete die ganze Nacht, und am Morgen kleiden die Stammesangehörigen die junge Ftau in weißes Hirschleder. Angesehene weibliche Verwandte dürfen mit Rat und Tat an diesem besonderen Tag zur Seite stehen. Anschließend versammeln sich alle an einem zentralen Ort; das Mädchen wirft nacheinander vier respektierten Chiefs oder Medizinmännern einen kunstvoll mit Perlen verzierten Ball zu. Die Männer segnen die „neue“ junge Frau. Danach gilt sie als spirituell „geboren“.

Aufklärung, bitte!

Bei Gott oder dem Universum (oder wem oder was auch immer): Warum also nicht auch hier unsere heranwachsenden Mädchen über diese Traditionen und Bräuche aufklären und ihnen zeigen, dass ihre erste Blutung nicht mit Schmerz, Unwohlsein und Tabus, sondern mit Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und Stärke zu verbinden ist?
Dass Blut Lebenskraft bedeutet. Dass es wunderbar ist, Kinder bekommen zu können und einfach eine Frau zu sein. Keinen Grund zum Schämen – aber so viele zum Feiern!


Geteilter Platz ist halber Platz? Vom „geteilten“ Kinderzimmer

Manchmal können Eltern ihren Kindern vor allem aus Platzgründen kein eigenes Zimmer ermöglichen. Und manchmal entscheiden sich Mama und Papa auch ganz bewusst für einen geteilten Raum, damit die Kleinen nicht allein sind und außerdem ein erstes Verständnis für das Soziale entwickeln, ein Miteinander erlernen.
Ich habe selbst erlebt, wie es ist, sich mit seinen Geschwistern ein Zimmer zu teilen, und auch meine beiden Jungs bekommen erst demnächst jeder ein eigenes Kinderzimmer. Ich meine: Es hat eben alles seine Vor- und Nachteile.

Das erste Zimmer: endlich allein
Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran: Im Alter von vierzehn Jahren bekam ich mein erstes eigenes Zimmer im Erdgeschoss – eine kleine, ziemlich dunkle Bude mit hellbraunem Kokosfaserteppich, der meine Fußsohlen ordentlich massierte. Es kitzelte sagenhaft.
Mein „Reich“ war nicht besonders groß, vielleicht höchstens fünfzehn Quadratmeter, bot aber immerhin ausreichend Platz für mein schwarzpoliertes Klavier, einen Schreibtisch mit Drehstuhl, ein Bücherregal, ein zum Bett ausziehbares Sofa und eine Kommode für meine Klamotten. Ein eigenes Waschbecken war ebenfalls vorhanden, denn meine Eltern hatten ein ehemaliges Gästezimmer eigens zu meinem „Jugendzimmer“ umfunktioniert. Es fühlte sich gut an, darin zu verweilen.

Schnacken und schlafen im „Schwesternzimmer“
Die besten Erinnerungen jedoch habe ich an meine Zeit im geteilten Kinderzimmer: Als ich klein war, schliefen und spielten meine vier Jahre ältere Schwester und ich zusammen und oft auch zur gleichen Zeit in einem Raum – später dann teilte ich ihn mit der acht Jahre jüngeren Schwester. Es funktionierte – meistens – gut. Richtig toll fand ich unser Hochbett aus Holz (an dem zahlreiche Sticker klebten, ein Sammelsurium von Helden unserer Zeit). Was konnten wir hier abends noch schnacken oder zusammen lesen. Auch unser Tisch und die Zimmerecken waren ideale Stellen für Verstecke und selbstgebaute Höhlen.
Natürlich gab es auch bei uns Mädchen damals Momente, in denen sich jede von uns ihr eigenes Zimmer wünschte und das Teilen regelrecht verfluchte. („Raus!“ – „Nein, das ist auch mein Zimmer!“)


Meine Jungs teilen sich (noch) ein Kinderzimmer
Unsere beiden Söhne (fast fünf und fast acht Jahre alt) wohnen heute ebenfalls zusammen in einem Raum. Zum Glück ist der groß, hat einen riesigen Balkon, auf den gleich zwei Türen führen (jeder hat also seine eigene Tür, ihr wisst schon: wichtig!). Das Zusammentreffen der Dachschrägen markiert genau die Zimmermitte, die Raumtür befindet sich ebenfalls mittig. Außerdem steht – mitten im Raum – unser toller, fast drei Meter lange Nachbau eines us-amerikanischen Peterbuilt-Trucks aus Holz. Eine Augenweide für jeden, der das Zimmer betritt. Es ist eine Art Spielzeugschrank, in dem sich eine Menge Kram verstauen lässt – und der als Raumtrenner funktioniert.

Jeder nennt seine Hälfte dennoch „mein Zimmer“. Und besteht auch darauf. Es ist eigentlich alles in Ordnung so. Eigentlich? Siehe oben, die Geschichte wiederholt sich eben … Natürlich hören wir Eltern dann und wann: „Du darfst nicht in mein Zimmer!“. Und: „Dann darfst Du aber auch nicht in mein Zimmer!“ Ganz schön anstrengend kann das sein.
Aber wir haben Glück: Die Jungs haben einen Altersunterschied von knapp drei Jahren, verstehen sich richtig gut. Sie sind nicht einfach nur Brüder, sondern „echte Kumpels“. Wäre das nicht so, würden wir wahrscheinlich anders denken in Sachen geteiltes Kinderzimmer. Es kommt eben immer auch auf die Kids an.

Unser älteres Kind lässt allerdings ab und an durchblicken, dass er gern einmal allein wäre und die Tür hinter sich zumachen würde. Bisher klappt reicht ihm seine „Auszeit vom Bruder“ mit Kopfhörern: Er sitzt dann an seinem Kinderzimmertisch und schaltet offensichtlich komplett ab, malt, bastelt und ist versunken in die Welt der Detektive … Irgendwann ist die Zeit für ein eigenes Zimmer auch für ihn gekommen. Wir werden es bestimmt erleben – und sind darauf vorbereitet.

Hinweis: Dieser Text erschien im Juli 2021 erstmal im Online-Ratgeber „Hallo:Eltern“.

Tischläufer aus Malvorlagen

Im Spätherbst steht für uns ein Umzug in ein neues Zuhause an. Die Zeit bis dahin nutzen wir, um ganz entspannt unter anderem das Kinderzimmer einmal ordentlich „auszumisten“, Klamotten und Spielzeug zum Verschenken und Verkaufen bereitzulegen und auf diese Weise auch Platz zu schaffen. Dabei kommen mitunter ziemlich gute Bastelideen auf. Diesmal: ein Tischläufer aus herumfliegenden Malvorlagen für die nächste Kindersause. Eine Bastelanleitung in drei Schritten.

Malvorlagen über Malvorlagen

In unseren Bastelschubladen türmen sich Malvorlagen und Ausmalbilder mit den verschiedensten Motiven: Bauernhof, Ninja, Tiere … Es sind große und kleine Blätter, Motive auf weißen und solche aus buntem Papier, bereits ziemlich zerknitterte und noch glatte. Puh. Noch während ich überlege, was wir mit dem ganzen Zeug anstellen sollen, jubelt plötzlich mein bald Achtjähriger: „Mama, wir machen einen oder mehrere Deko-Läufer draus – für die nächste Kinderparty!“ Gute Idee, dann haben wir auch gleich eine Tischdecke zum Vollkleckern.

1. Materialien zusammensammeln

Wir brauchen eigentlich nur die Malvorlagen und Klebeband. Und los geht es: Wir schnappen uns die Bilder und überlegen uns eine Anordnung. Wer möchte, kann die Ränder noch mit Musterscheren bearbeiten. Jetzt legen wir die Papiere kreuz und quer mit dem Motiv nach unten aneinander.

2. Papiere zusammenkleben

Wir fixieren alle Malbilder mit durchsichtigem Klebeband. Die Kinder haben riesigen Spaß daran. Und ehrlich gesagt: ich auch. Jetzt das Kunstwerk umdrehen: voilà – fertig ist die DIY-Tischdecke zum Ausmalen (und eventuell vollkleckern …).

3. Auf die Plätze, fertig, malen!

Und dann? Je nach Anzahl der Gäste bereitet ihr einen großen Tischläufer für die „Mampftafel“ vor – eine gute Unterlage und gleichzeitig eine ausmalbare Augenweide. Stifte drauf, Knabbereien und Getränke kredenzen – fertig. Ganz so, wie ihr es wollt. Oder aber ihr dekoriert kleinere Tische oder andere Möbel je nach Wetterlage draußen oder drinnen mit kleineren Läufern, stellt Buntstifte und Obst oder Kerzen drauf. Das sieht wunderschön und sehr einladend aus. (Für eine anstehende Einschulungsparty im Sommer könnte man statt der Malvorlagen übrigens auch alte Buchseiten verwenden.)
Viel Spaß beim Nachmachen!

Auszeit! Wie sich Mamas Freiraum schaffen

Eltern und vor allem Mütter wissen: In all dem Alltagstrubel ist es verdammt schwer, sich eigene Freiräume zu schaffen, gleichbedeutend hier mit: Zeit ausschließlich mit sich selbst zu verbringen. Und dabei ist genau das aber doch so wichtig für unser Wohlbefinden und ja: Durchhaltevermögen als Mutter. Ich habe einmal in den sozialen Medien ein paar Mamas mit bis zu neun (!) Kindern gefragt, wie sie sich ein paar Momente, Stunden oder sogar mal ein Wochenende für sich freischaufeln – und vielleicht ist ja die eine oder andere Idee für Dich dabei.

„Viele Frauen lassen sich von der Gesellschaft in eine Rolle pressen und sind nicht (mehr) bei sich.“ Maren aus Oldenburg ist alleinerziehende Mama eines achtjährigen Sohnes – und weiß genau, wovon sie da spricht: „Viele Mütter finden im Alltag kaum eine Möglichkeit, in sich selbst hineinzufühlen, sich zu fragen: Was brauche ich, was benötige ich, um mich wie eine Frau zu fühlen?“ Trotz Job und Kind gönnt sich die 42-Jährige „den Luxus“, sich mit sich selbst „auseinanderzusetzen.“
In den verschiedenen sozialen Medien erhalte ich neben Marens noch einige weitere tolle Antworten auf meine Frage nach der persönlichen „Auszeit“. Viele sind es nicht (an dieser Stelle bitte den Stirnrunzel-Smiley einfügen) …

Sonja, 43 Jahre jung aus Osnabrück, hält es zur Zeit so: „Ich bin Langschläferin und stehe eine Stunde früher auf, um in Ruhe und alleine Kaffee zu trinken und zu frühstücken, bevor der Tag mich überrollt.“ Am Abend macht sie 15 Minuten lang Yoga, „zum Runterfahren und Ruhe finden – bevor ich mein dreijähriges Kind – und oft auch gleich mich selbst ins Bett bringe.“
Ach ja, die Müdigkeit. Auch so ein Stichwort, das der einen oder anderen Mami sicherlich bekannt vorkommen dürfte … Und einmal unter uns: Ich bin gefühlt dauermüde.

Weiter im Text: Die frühen Morgenstunden nutzt auch Anne, ebenfalls eine Frau Anfang 40, die mit Mann, Tochter und Tieren in einem kleinen Dorf bei Schwerin lebt. Die „Grünen“-Politikerin weiß aber auch: „Es ist nicht immer einfach, sich als Mama diese Freiräume zu schaffen; es erfordert tatsächlich ein gehöriges Maß an Disziplin.“
Disziplin … Jetzt muss ich an meine Zeteler Freundin Alexandra denken. Sie und ihr Mann haben sage und schreibe neun gemeinsame Kinder. Richtig gelesen: 9. Wie – um Himmels Willen – gelingt es ihr, einmal völlig allein zu sein? „Im Moment fahre ich einmal am Tag mit dem Rad – ganz allein. Naja, nicht ganz: Der Hund läuft nebenher.“ Gassi fahren quasi. Auch eine gute Idee. Auf diese Weise verbindet sie nämlich „Me-Time“ mit Bewegung.

Auch Nadine aus Oldenburg ist Sport wichtig. Die 40-jährige Mama dreier Mädels im Kindergarten- und Schulalter joggt morgens „oder auch mal abends, wenn die Kids im Bett sind – pure Qualitätszeit. Ruhe in der Bewegung sozusagen.“

Ina – ebenfalls aus der Huntestadt – ist 38 und hat einen ganz speziellen Weg, die Welt um sich herum regelrecht abzuschalten: „Meine Zweitklässlerin weiß: Setze ich meine Kopfhörer auf, brauche ich eine Pause.“ Freude und Entspannung bereitet ihr auch das „Diamond-Painting“: Aus kleinen, funkelnden Schmucksteinen fertigt Ina tolle Bilder und auch Sticker zum Verschenken – oder eben nur für sich selbst.
Alle bisher zu Wort gekommenen Mamas haben den Vorteil der eigenen vier Wände, einem Haus zum Leben für die gesamte Familie. Laura aus Berlin aber lebt mit ihrem Ehemann und den beiden Söhnchen in einer Berliner Altbauwohnung auf nicht einmal 70 Quadratmetern. Viel Raum für etwas „Alleinsamkeit“ ist da nicht vorhanden. Und dennoch gelingt es der Hauptstädterin, sich ihre eigene kleine Wellnessoase zu schaffen: „Ich dusche abends ganz in Ruhe, lange und ausgiebig, ich pflege mich, ohne gestört zu werden.“

Zu Wort meldet sich in einem sehr bekannten Netzwerk auch Isabel aus Westerstede, Mamas vierer Kinder. Sie macht zur Zeit sogar noch eine Umschulung zur Pflegefachkraft – der Vater der Kinder lebt nicht mehr bei den Fünfen. „Er kümmert sich aber toll, zum Glück läuft es gut zwischen uns – trotz allem. Ohne den Papa wäre das alles nicht denkbar.“ Ihre „Me-Time“ nutzt Isabel sehr unterschiedlich: „Mal gehe ich ohne die Kids mit Freunden spazieren oder treffe jemanden auf einen Kaffee. Ich mache spontan das, wonach mir eben dann der Sinn steht.“ Ich bewundere sie zunächst heimlich. Und jetzt ganz öffentlich.

Hamburgerin Doreen ist 47 Jahre alt und ebenfalls Mutter vierer Kinder. Auch sie stößt oft an ihre persönlichen Grenzen: „Mit Familie, Job und Haushalt bin ich mehr als voll beschäftigt. Blicke ich auf die vergangenen 16 Jahre Mutterschaft zurück, in denen ich mehr als acht Jahre stillte, dann war da wirklich wenig Zeit für mich allein.“ Ich fühle den Stolz zwischen den Zeilen, die sie mir dann noch schreibt: „Inzwischen ist das anders: Seit Sommer 2018 erfülle ich mir einen Kindheitstraum – und mache Karate.“ Cool oder?
Wir Mamas brauchen definitiv Zeit für uns. Qualität und Quantität variieren von Mutti zu Mutter – das ist schon mal klar. Aber: Zeit müssen wir uns nehmen – und gegebenenfalls darauf bestehen.

Kurz und richtig gut: Hammer-Mamas wir sind. Syntax? So gewollt: Meister Yoda würde es genau so ausdrücken. Und recht hätte er.

Eine Welt in zehn Minuten

iMist. Ich bin vier Minuten zu spät. Vor dem Abholen meiner beiden Bengelchen wollte ich im Raiffeisen-Markt eben noch ein paar Rollen „Gelbe Säcke“ besorgen. Vier Minuten … Ich bin ohnehin nicht besonders gut drauf, es treibt mir beinahe die Tränen in die Augen. Will denn heute gar nichts gelingen?

Es ist ein sehr warmer Junitag, 27 Grad, und morgen soll es sogar noch heißer werden. Ich bevorzuge 25 Grad. Da fühle ich mich wohl … Ich schiebe eine klebrige Haarsträhne von meiner Stirn und will wieder aufs Fahrrad steigen.

Eine alte, in einen feinen, hellen Anzug gekleidete Dame nähert sich mir. Ich schätze sie auf Ende siebzig oder vielleicht achtzig. „Ist da jetzt ernsthaft zu?“, höre ich sie sagen. „Ich habe dort drinnen eben meine Autoschlüssel auf dem Empfangstresen liegen gelassen. Das darf doch nicht wahr sein …“ Sie zeigt auf einen kleinen roten Peugeot auf der anderen Straßenseite.

Kurzentschlossen zücke ich mein Handy, googele die Telefonnummer und rufe im Markt vor uns an, vielleicht ist ja gerade noch jemand im Büro? Sehr wahrscheinlich ist es ja. Das Licht brennt jedenfalls noch … Aber: Leider habe ich keinen Erfolg und sage bedauernd zu der Dame: „Es tut mir leid, niemand da, wahrscheinlich alle schon in der Mittagspause.“

Sie trägt eine Maske, aber ich erkenne ein trauriges Glitzern in ihren Augen. „Ich bin so durch den Wind. Letzte Woche ist mein Sohn verstorben; ich bin 82, es ist furchtbar, wenn das Kind eher geht.“
Ich fühle ihr Leid, streiche ihr über den Arm und sage, wie gern ich sie jetzt umarmen würde, aber, naja, Corona …

Sie nickt. „Das ist so lieb. Und so selten.“ Ich wundere mich über diese Worte. Ist das nicht eine absolute Selbstverständlichkeit? „Die Leute wollen keine Trauer bei anderen sehen, sie können das Grauen nicht ertragen.“ Die Frau zuckt die Achseln. Darüber muss ich noch einmal in Ruhe nachdenken …

Sie bedankt sich für meine Bemühungen und erzählt: Der Sohn, etwa sechzig Jahre alt, sei geistig behindert gewesen, sie wäre bei seinem Sterben dabei gewesen, genau wie seinerzeit bei ihrem Mann, der mit 42 einem Hirntumor erlag. „Kurz vor dem Tod dachte er, er müsse sich noch einmal ausleben“, sie schaut bedrückt auf ihre beigen Lederschuhe. „Er hatte noch mal eine andere Frau, lebte etwas Jugend. Ich war zu Hause mit Tochter und Sohn und ertrug es irgendwie … Dann kehrte er zum Sterben zu mir zurück.“ Wir weinen. Zusammen.

Und dann platzt es aus mir heraus. Ich rede von einem derzeitigen, ganz anderen Dilemma, aus dem ich einfach nicht herauskomme. „Oh Gott, Kindchen. Das ist wirklich schwierig. Sie sind noch jung … Das Leben ist zu kurz … Hören Sie auf Ihren Bauch. Aber vergessen Sie bei allem den Verstand nicht. Lassen Sie sich Zeit und Raum, überstürzen Sie nichts. Wägen Sie sorgfältig ab.“ Natürlich hilft mir das jetzt nicht. Aber ich denke über die Weisheit des Alters nach, die mir schon so oft in meinem Leben begegnete …

Doch dann fügt sie mit einem schelmischen Augenzwinkern hinzu: „Und manchmal, Liebes, entscheidet auch das Schicksal!“ Auf einmal wirkt sie regelrecht heiter. „Ist so. Wirklich. Haben Sie Vertrauen.“
Ich muss leider los, P. und dann K. holen.
Eine ganze Welt in nur zehn Minuten …
Wir wünschen uns alles Gute. „Bitte fahren Sie gleich vorsichtig.“
Und jede geht wieder ihres Weges.

„Du nicht!“ Von Geschwisterstreitereien

An alle da draußen mit mindestens zwei Kindern: Kennt ihr das auch? Es gibt Tage, an denen gehen eure Geschwisterzwerge durch Dick und Dünn, spielen harmonisch und tief versunken in ihr Abenteuer miteinander – ein Bild für die Elterngötter.

Und dann – oh weh! Dann wiederum gibt es diese Zeiten, in denen sie streiten. Das reimt sich jetzt nicht nur, es ist generell unheimlich anstrengend und kräftezehrend, das als Erwachsene(r) möglichst gelassen durchzustehen.

Heute muss es unbedingt Grün sein

„Jetzt bin ich aber dran mit dem grünen Glas!“ P. runzelt die Stirn und schaut mich richtig verärgert an. „Gestern hatte es K., jetzt krieg ich das mal!“ Dies ist nur eine von gefühlt hunderttausenden Kabbelei-Szenen am Tag – vom Morgen bis zum Abend.

Wer bekommt welches Trinkgefäß? In welchem ist mehr Inhalt? Haben beide auch haargenau die gleiche Anzahl an Apfelschnitzen? (Und wehe, einer hat einen größeren …)

Oder die gleiche Anzahl an Gummibärchen in den gleichen Farben? („Mamaaa, P. hat einen roten mehr, ich will auch noch einen davon!“) Manchmal ist das wahrlich zum Haareraufen. (Vor allem dann, wenn noch Beschwerden hinzukommen wie: „Iiih, nee, der ist auf den Boden gefallen! Den mag ich nicht mehr!“)

Da ist ein gehöriges Maß an Gelassenheit gefragt – die ich aber nicht immer vorweisen kann.

„Ordnung und Dissssziplin“

Weiter geht es mit Fragen wie: Wer ist zuerst mit dem morgendlichen oder abendlichen Umziehen dran? Wer bekommt als Erster die Zähne geputzt? Bei uns muss alles „seine Ordnung“ haben.

P. zitiert da gern die Kinderbuchfigur Käpt’n Sharky: „Bei uns herrschen Ordnung und Dissssziplin!“ Und immer, wenn er das sagt, muss ich lachen; es klingt einfach zu süß.

Süß ist aber nicht, wenn einmal irgendetwas durcheinanderkommt. „Du nicht! Ich bin jetzt dran!“ Einer läuft mindestens zweimal am Tag (zugegeben, das ist stark untertrieben) schreiend oder heulend durch die Gegend, wenn er sich mal wieder ungerecht behandelt oder gar ungeliebt fühlt. What a drama.

Liebe, Anerkennung und Streicheleinheiten

Ich versuche, mich an meine eigene Kindheit zu erinnern: Ich war acht Jahre alt, als meine jüngere Schwester geboren wurde. Eigentlich ist dies ein Alter, in dem ein Kind schon viel Verständnis für so ein Baby aufbringen kann. Aber ach! Was war das schrecklich. Dieses haarlose Wesen an der Mutterbrust und überhaupt immer an ihr dran. Ich wollte auch mal auf den Arm!

Stattdessen: Meine Mama, die nur noch herumlief, um Geschrei abzumildern oder stinkende Windeln zu wechseln.

Und ich? War irgendwie in den Hintergrund gerückt. Aber: Ich habe noch eine ältere Schwester, und auch für die musste ich oft zurückstecken. So empfand ich es damals jedenfalls. (Dass meine Mutter ihr Allerallerbestes für uns alle gab, weiß ich heute natürlich anders und besser zu schätzen. Danke, Mama.).

Und haben wir als Kinder mit Geschwistern nicht immer dieses Gefühl? Vom Unwichtiger-als-der-oder-die-andere-sein? Und mal ehrlich: Haben wir es als Erwachsene im Alltag denn wirklich so gar nicht mehr? Brauchen wir Großen nicht immer wieder auch ein Maß an Bestätigung, an Anerkennung, an Liebe und Streicheleinheiten? Umso wichtiger ist Verständnis. Sich-Einfühlen.

„Der Klügere gibt nach?“ Lieber nicht.

Was ich mir in meinem persönlichen „Doppelmamasein“ schnell abgewöhnte: Schiedsrichterin sein zu wollen – und Sätze zu sagen wie „Der Klügere gibt nach“. Da sind heftigere Streitereien und Rivalitäten doch doppelt vorprogrammiert, oder? Man überlege sich einmal, wie parteiisch so etwas anmutet: „Du bist doch älter als er, gib doch einfach mal nach!“

Stattdessen versuche ich, die Jungs noch in meiner eigenen Ungeduld und Genervtheit möglichst empathisch zu fragen:

„Was können wir denn tun, damit es allen wieder besser geht und wir alle bitte wieder zufrieden sind?“

Lösungen müssen her, nicht noch mehr Stress. Meiner Erfahrung nach führt es sogar zu einem größeren Zusammenhalt unter unseren beiden Strolchen. Aber: Wir sind alle Menschen, und ganz klar: Das Ruhigbleiben gelingt eben nicht immer.

„Nein! Erst kommt er dran, dann ich!“

Es ist Abend. Die Kids werden für die Nacht vorbereitet. Ich möchte eben noch duschen, der Papa ist dran mit Umkleiden und co. „Nein, Papi, K. ist doch abends zuerst!“

Fragt der Vater dann mal nach einer „Ausnahme“ und möchte statt des Älteren den Jüngeren zuerst umgezogen wissen, weil dieser noch so in ein Spiel versunken ist, gibt es auch da ein kleines Drama.

„Das machen wir immer so. Ich wäre sauer an K.s Stelle.“

Aha. Da haben wir es wieder: Ordnung und Disziplin eben. Und … Einfühlen! Alles also ein wichtiger Lernprozess – eben auch das Streiten.

„Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“ aus Duplo

Coronazeit ist Kreativzeit (ja, wir wissen: unter anderem … ): Um der vielen Zeit zu Hause sinnvoll Herr (oder in diesem Fall eben Frau) zu werden, lasse ich mir gemeinsam mit den beiden Jungen eine Menge einfallen – sehr oft ergibt sich das aber ganz von selbst. So sagte neulich beim „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“-Spielen mein Siebenjähriger: „Mama, wir können doch auch mal so ein Spiel aus Duplo bauen und dann mit den Tieren oder Püppchen spielen!“ Was für ein schöner Einfall. Gesagt – und kurzerhand getan. Hier eine Nachbauanleitung in Wort und Bild.

Schritt 1: Platte und Steine zurechtlegen

Man nehme eine große, quadratische Legoplatte und jede Menge Duplo-Bausteine in allen möglichen Formen, vor allem aber die quadratischen mit den vier Noppen. Die Kinder entscheiden sich – ganz klassisch – für Rot, Grün, Blau und Gelb. Das „Drumherum“ bilden jede Menge andere verfügbare Farben. Die Jungs haben freie Hand, wir werden sehen, was da dann entstehen wird. Zuerst einmal schnappen sie sich unser Spiel von eben und schauen sich seinen Aufbau an. Aus wie vielen Steinen bestehen der Weg sowie die Start- und Zielpunkte? (Für die ganz kleinen Spieler wählt man am besten nur einen Punkt sowohl für den Aus- als auch für den Eingang. Dann kann das Kleinkind beispielsweise mit großen, schön griffigen Tierfiguren wie der Giraffe oder dem Eisbären spielen.)

Schritt 2: Los geht es mit dem Bauen

Meine beiden – bald acht und bald fünf – überlegen, ob sie die Steine zusammen oder mit einer Lücke dazwischen stecken. Nach ihrem Plan sollen die Steine eng beieinander stehen. Aber auch hier gilt natürlich: jeder, wie er möchte. In die Mitte der Platte kommt „etwas Schönes“, sagt K. Erst ist es ein einfacher, orangefarbener Baukegel, dann eine Spielfigur auf einem „Thron“. Dies wird sich im Verlauf der Bauaktion noch mehrfach ändern. Dann machen sich die Bengelchen an den Weg, sie wählen kunterbunte Steine aus. Die Zielpositionen gestalten die Jungs wieder in einheitlichen Farben, „zur besseren Übersicht, Mama.“ Klar. Habe ich verstanden …
Die Figuren sollen bei einer Sechs auf den Ausgangspunkt „rutschen“. Das tun sie über Steine einer Murmelbahn.

Schritt 3: Verfeinern und Schmücken

Jetzt sind sie mit ihrer „Landschaft“ fertig – soweit jedenfalls. „Mama, wir müssen noch dekorieren!“ K. schnappt sich ein paar Duplo-Blümchen. Kurz – und schön mit anzuschauen: Die beiden hängen sich voll rein, stecken noch einmal ein paar Steine um, verlieren sich noch eine Weile mit „Nachbesserungen“. (Ich gebe zu: Ich staune und staune immer wieder über die Kreativität der Zwerge und darüber, wie sie mit wirklich simplen Materialien Tolles schaffen.)

Schritt 4: Auf die Plätze – fertig – Spiel?

Jetzt ist das Spiel zu ihrer Zufriedenheit aufgebaut, der Würfel liegt bereit. Und jetzt können wir ja dann auch mit dem „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“ loslegen – nicht.
Dass die Kinder vor dem eigentlich Spielen jetzt zunächst einmal frei mit Figuren und Fahrzeugen „testen“ müssen, ob auch alles fest sitzt und funktioniert, leuchtet natürlich ein. „Gleich, Mama. Die Figuren wollen erst noch rutschen.“ Na dann …
Frohes Nachbauen und Spielen.

Dieser Text ist am 10. Mai ebenfalls bei „Hallo:Eltern“ erschienen.

Leben mit Jungs