Archiv der Kategorie: Neu hinzugefügt

Freundschaft

Du liest den Titel und weißt sofort, dass ich jetzt von Dir erzählen werde, dass ich bestimmt nur Dich meinen kann. Ganz kurz durchfährt Dich ein Schauer, heftig wie ein zartes Erschrecken. Du erkennst jetzt ein bisschen aufgeregt, dass tatsächlich Du der Mensch bist, von dem ich schreibe.

Ich mache es kurz, um Dich nicht in Verlegenheit zu bringen, denke ich, und doch weiß ich, dass es Dir keineswegs etwas ausmachen würde, schriebe ich hier selbst unter expliziter Nennung Deines Namens einen Roman über unsere Freundschaft.

Ich blicke in Dein Gesicht, das manchmal offen ist wie ein Buch. „Nimm‘ meine Hand“, möchte ich sagen „und geh‘ mit mir bis ans Ende dieser Welt.“ Doch ich sage es nicht, denn viel zu abgedroschen sind diese Worte, und viel zu oft benutzt wurden sie von menschlichen Lippen. Ich denke es leise in mich hinein, und doch hämmern die Worte fordernd gegen meine Schläfen. Sie verlangen, dass man sie herauslasse: „… Und wenn nicht bis an das Ende dieser Welt, so doch wenigstens bis an das Ende des nur für uns sichtbaren Horizonts…“.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, hat er einmal geschrieben. Er, der Mann, das Kind – Antoine. Er hat es gelebt, das Wesentliche… Und auch Du kümmerst Dich wenig um das, was andere von Dir denken, für was sie Dich halten könnten.

Du kannst mit Deinem guten Herzen nicht nur Dinge sehen, Du machst, dass auch andere das Wesentliche sehen. Du willst protestieren und sagen: „Aber ich bin doch gar nicht immer so gut!“. Und dennoch: Du bist für mich der kleine Prinz. Ich bin voller Freude, Dich in meinem Leben zu wissen.

ROTA – rotzig frech und leidenschaftlich rotiert

Gerade bin ich zur Tür rein. Gemeinsam mit meiner Freundin Laura habe ich mir die Erfolgsproduktion ROTA der brasilianischen Choreografin und Tänzerin Deborah Colker im Admiralspalast nahe dem Bahnhof Friedrichstraße angeschaut. Sie hat vor 14 Jahren in Rio de Janeiro die Tanzgruppe Companhia de Dança gegründet, die seit damals erfolgreich nicht nur in Brasilien, sondern auch in der Welt erfolgreich auf Tournée ging – und zuletzt ist sie nun noch bis zum 12. August mit ROTA in Berlin unterwegs.

Vorweg: Das Wort „rota“ (gesprochen wird es wie das Spanische „j“ [xota]) stammt aus dem Lateinischen (und somit Portugiesischen) und bedeutet „Rad“. Was es damit auf sich hat? Etwas später.

Colker hat in ROTA klassische Musik und Soundtracks (ich habe sogar Leitmotive aus dem Film „Der Pate“ darin vernommen…) mit pochenden Elektro-Beats , Balletttanzszenen mit heißem Tanz und anmutig schwebende Körper mit frechen, sich bisweilen selbst ohrfeigenden Personen (ein beliebtes Stilelement von Colker) kombiniert.

Das Tanzereignis teilt sich in zwei Häften:
In den ersten 20 Minuten gibt es also moderne Ballettszenen, loungige Beats und freche „Kampf“-Szenen zu sehen, die bisweilen zum Schmunzeln und – sieht man die Künstler sich selbst scheintbar aus dem Stand in 50 Zentimeter Höher katapultierend – zum Staunen anregen.

Nach einer 20-minütigen Pause geht es zunächst sehr konzentriert weiter: Personen kommen im muskulös angespannten Schwebeschritt daher, recken und strecken mit nur scheinbarer Leichtigkeit die Glieder immer wieder in die verschiedensten Richtungen (dies erinnerte mich an Variétékünstler…), bevor am Ende mit einem großen Rad aufgewartet wird und die Tänzer/Performisten gewissermaßen Kopf stehen… Rota – das Rad.

Es hat sich gelohnt dabei zu sein. Laura konnte mein reges Interesse an dieser Show und mein Staunen teilen. Bei einem Bier haben wir uns anschließend noch ein wenig darüber ausgetauscht.

Ich habe an manchen Stellen rote Augen vor Rührung bekommen, so ergriffen war ich auf der einen Seite von der (hinter den Tänzern doch gewiss erahnten) starken Selbstbeherrschung in den langen Trainings/auf der Bühne und auf der anderen Seite der Anmut der Körper…

Komm‘ mit mir, sagte das Mädchen

In der Nacht saß die junge Frau im Schneidersitz auf ihrem Bett und weinte, den Kopf in ihren zarten Händen geborgen, wilde Tränen der Verzweiflung. Atemlos löste ein Schluchzer den anderen ab – das Herz erfüllt von Schmerz und tiefer Trauer. Eine Decke umhüllte ihren nackten, gebrochenen Körper, der soviel schon erfahren hatte und der ihr jetzt so sehr schmerzte – ihr Körper, der sich ruhelos vor und zurück bewegte, die Schultern verkrampft, der Rücken gebeugt. Doch der physische Schmerz war eine milde Gnade gegenüber den Schmerzen in ihrem Herzen. Ihre Seele brannte bis aufs Mark.Seit Stunden saß sie so da, schluchzte um ihre Vergangenheit, trauerte um die Zukunft, die sie nie haben würde und hasste angsterfüllt und schweigend die Gegenwart, in der nur die nagende Einsamkeit lauerte. Niemand hörte ihre Hilferufe.

Ein leises Rascheln mischte sich in die Stille der Nacht. Die junge Frau schaute skeptisch auf, ihre verlorenen Augen suchten nach der Quelle des Geräusches. Durch das Fenster ließ der Mond einen schmalen Lichtflur scheinen, in dem – eben noch leer – plötzlich ein wunderschönes kleines Mädchen stand. Die müden und trostlosen Augen der jungen Frau erschraken, doch die engelsgleiche Kleine näherte sich mit sanften Schritten. Eine Weile betrachtete die Eine die Andere.

„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte das Mädchen und legte ihre kleine Hand auf die Schulter der Frau.
„Wer bist Du? Ich bin sicher, ich habe Dich schon irgendwo einmal gesehen…“, sagte die Ältere, und ihre Augen suchten fragend nach der Antwort.

Die Zartheit des kleinen Wesens berührte die junge Frau. Sie musterte die Kleine mit ihrem langen, lockigen Haar, das ihr hübsches Gesicht umrahmte. Große, kluge Augen schauten sanft und ernst tief in die ihren hinein.
„Ich bin die andere. Ich bin die, die Du einmal gewesen bist. Ich fühle, was Du fühlst, ich leide, weil Du leidest. Ich bin gekommen, um Dich zu holen. Ich habe Dich rufen gehört und bringe Dich an einen sicheren, glückverheißenden Ort.“
Fassungslos hielt sich die junge Frau die Hand vor den Mund und wich ein wenig zurück.
„Hab‘ keine Angst, komm‘ mit mir“, sagte das Mädchen und ergriff die andere Hand der Trauernden, die ihre Angst gegen einen Zustand der Beruhigung austauschte.
Sie ließ die Kleine gewähren und stand von ihrem Bett auf. Langsam näherten sie sich dem Mondstrahl, der sie für immer in die ewige Höhe mitriss.

Ein paar Tage später fand man sie, blass und friedlich auf ihrem Bett liegend. Sie war ganz ruhig eingeschlafen, und nur ein winziges, seliges Lächeln umspielte ihren Mund.

Aus dem Alltag eines Stasi-Häftlings

Am vergangenen Samstag war ich in der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Auf die Idee, dort hinzufahren, bin ich gekommen, nachdem ich den Film „Das Leben der anderen“ gesehen habe und dieser mich stark beeindruckt und vor allem bewegt hat.

Ich nahm an einer Führung unter der Leitung des ehemaligen Stasi-Häftlings Hartmut Richter teil, der unserer Gruppe (wir waren wohl so um die 10 bis 15 Personen) sehr genau alle Details erzählte und geduldig alle unsere Fragen beantwortete. Der sympathische Mann saß ein Jahr in Hohenschönhausen. (Weitere Station als Gefangener: Bautzen II.)

Am meisten betroffen gemacht haben mich die ehemaligen Zellen des Kellergewölbes, das den Spitznamen „U-Boot“ erhielt, weil es dort keine Fenster gab und es demzufolge extrem dunkel war. Auch die Anordnung der Räume und Flure und die Türen erinnern mich an ein U-Boot. Sehr bezeichnend also. Diese „Räume“ wurden in der Nachkriegszeit als Gefängnisse genutzt und die Gefangenen unter menschenunwürdigen Verhältnissen „gehalten“.

Die Dunkelheit war nur eine der vielen Qualen verursachenden Facetten. Eine andere war schlimmer: die Feuchtigkeit. Viele Menschen erkrankten und starben in ihren „Kerkern“.

Die Insassen hatten eine kleine Zelle, die vielleicht höchstens sechs oder sieben Quadratmeter groß war. Darin standen nur eine hölzerne Pritsche und eine Fäkalien- tonne. Herr Richter erzählte uns, dass hier sowohl bei Tag als auch bei Nacht eine Glühbirne leuchtete, was dem Insassen schnell das Gefühl von Zeitlosigkeit vermittelt haben muss. Tagsüber durfte der Häftling nur sitzen, wurde er müde und fiel längs auf die Pritsche, war er durch Schreie oder An-die-Tür-Klopfen gewzungen, sich wieder aufrecht hinzusetzen…

Nur ganz wenige der Zellen hatten ein Fenster, das jedoch mit Milchglas gebaut war, sodass der Häftling nicht hinausschauen konnte.

Auf diese (und vermutlich jede für uns nicht vorstellbare andere grausame) Weise seien viele Insassen verrückt geworden, sagt Hartmut Richter. Viele haben versucht, sich das Leben zu nehmen.

Einige Häftlinge haben von so genannten Wasser-Folterzellen gesprochen, die in der Gedenkstätte Hohenschönhausen rekonstruiert wurden. Eine Foltermethode beinhaltete das monotone Tröpfeln von Wassertropfen auf den Schädel. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass selbst solche harmlos klingenden Dinge auf die Dauer verrückt machen können. Auf die Dauer wird das dumpfe Tropfen schmerzen…

Die Zellen im „U-Boot“ wurden ab 1951 nicht mehr von den Sowjets belegt, wurden aber bis Anfang der 60er-Jahre (!) noch von der Stasi verwendet… Herr Richter hat hier aber Gott sei Dank nicht sitzen müssen… Was er während seiner Zeit in Hohenschönhausen hat durchmachen müssen, ist allerdings nicht minder schlimm.

Schlafen durfte man sowohl im „U-Boot“ als auch in den „moderneren“ Zellen im Neubau nur in einer bestimmten Position: Auf dem Rücken und mit den Händen sichtbar auf der Decke. Drehte sich ein Häftling im Schlaf, wurde er sehr unsanft darauf hingewiesen, dass er sich sofort in die vorgeschriebene Position zu bringen habe…

Mit einem Barkas 1000 wurden die Häftlinge einzeln in die verschiedenen Haftanstalten – so auch nach Hohenschönhausen – gebracht. Er war abgedunkelt, sodass der Inhaftierte nicht wusste, wohin er gebracht wurde. Meist waren die Wagen aus Gründen der Unauffälligkeit als Lebensmittelwagen o.ä. getarnt.

Um die Geständigkeit eines Insassen zu erzwingen, wurden sehr subtile Maßnahmen gebracht, so unter anderem monotone Geräusche oder das Versprechen der morgigen Entlassung aus der Haftanstalt. Glaubte sich der Häftling schon in Freiheit und fieberte dem Morgen entgegen, so wurde dann am Tag darauf einfach ignoriert – und kam natürlich nicht frei.

Diese und andere Geschichten erzählte uns Herr Richter während unserer knapp zwei Stunden dauernden Führung, die ich sehr interessant und packend fand. Einmal mehr wurde mein Bewusstsein darüber, wie gut es mir in meinem Leben geht, geschärft. Ich bin froh, in die heutige Zeit geboren zu sein…

Roma o morte! – 5. Tag

6.15 Uhr: Wir stehen auf und machen uns für den Heimflug bereit. Ein paar Sachen müssen noch zusammengepackt werden. Bei drei Mädchen in einem Hotelzimmer eine mühselige Aktion, die wir jedoch erfolgreich meistern. Nach dem Frühstück (jeden Morgen gab es hier Cornetti, Brötchen und Brot, verschiedene Joghurt- und Müslisorten, Marmelade, Käse und Wurst, Mozarella-Bällchen, Rührei und Speck und -siehe da- normalen Kaffee… ganz nach dem Bedarf der Mama) fahren wir mit einer Großraumtaxe (diesmal verhandeln wir nicht und zahlen 65 EUR; Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten) zum Flughafen und checken ein.

Gegen 8.45 Uhr geht unser Flieger. Jeder ist mit den Gedanken bei dem Erlebten und würde am liebsten noch ein paar Tage oder gar Wochen bleiben. Viel zu schnell ist die Zeit vergangen, und viel zu schnell vergeht der Flug.

Als wir in Berlin landen, regnet es…

Roma o morte! – 4. Tag

Unser vorletzter Tag in Rom. Auf der Tagesordnung: Der Vatikanstaat. Die Vatikanstadt besteht aus dem Petersdom, dem Petersplatz (1655-67 von Bernini geschaffen), dem Vatikan mit den dazugehörigen Gärten und dem Sommersitz des Papstes: Castel Gandolfo.

Das gesamte Bistum liegt innerhalb der Stadt auf etwa 0,44 km² und wird durch eine Mauer von der Stadt getrennt. Als kleinster Staat Europas verfügt der Vatikan, der von der berühmten Schweizer Garde mit ihren typischen Uniformen bewacht wird, über eine eigene Post, eine eigene Währung (will man heute Vatikaneuros ergattern, muss man oft tief in die Tasche greifen), eine Druckerei und sogar einen eigenen Sender: “Radio Vatikan”. Heute wollen wir in den Petersdom hinein und auf die Kuppel steigen.

Nach scheinbar unendlichem Treppensteigen, am Ende kriechen wir fast schon die schrägen und erschreckend engen Wendeltreppen hinauf, erreichen wir den höchsten Punkt des Petersdoms. Von dort aus haben wir einen weitschweifigen und fantastischen Blick über Rom und genießen die Sonne.

Meine beiden Schwestern beschließen, shoppen zu gehen, und meine Eltern und ich fahren kurzerhand zur Villa Borghese, dem größten Erholungspark Roms, der nicht einmal so groß wie der Tiergarten in Berlin ist. Generell kann man sagen, dass Rom eine nicht sehr grüne Stadt ist. Die Villa Borghese im gleichnamigen Park beherbergt eine Kunstgalerie und ein Geschichtsmuseum, welche wir allerdings nicht besucht haben. Vielmehr haben wir uns nach drei Tagen Großstadtmief auf das Grün und die Luft im Park konzentriert.

Die Parkanlage der Villa Borghese gehört mit einem künstlichem See, Kinderkarussell, Zoo und Pferderennbahn zu den beliebtesten Freizeitbereichen der Römer. Ein Ballon steigt täglich auf, um den Besuchern einen Blick auf Rom von ganz oben zu gewähren. Zahlreiche Brunnen und Statuen, denen teilweise jedoch schon die Köpfe abgeschlagen wurden, machen die Villa zu einer Sehenswürdigkeit. Mit dem Taxi fahren wir drei zur Piazza di Spagna und treffen auf meine Schwestern. Gemeinsam schlendern wir durch die Stadt heim und essen am Abend Pizza

Roma o morte! – 3. Tag

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus noch einmal zur Piazza Venezia, da meine Schwestern sie sich auch noch einmal ansehen möchten. Bustickets kauft man in Rom in den kleinen Tabakläden, die überall zu finden sind. Ein Busticket kostet pro Person 1 Euro (egal, wohin man innerhalb der Stadt fahren möchte) und ist 75 Minuten gültig. Lange dauert eine Fahrt sogar sprichwörtlich: In Rom herrscht das ganze Jahr über Stau, wobei die Situation in den Wochen um Ostern besonders prekär sein dürfte. Zu dieser Zeit sollte man die Großstadt besser meiden.

Die Fahrmanöver der Auto- und vor allem Vespafahrer sind recht interessant, das Chaos ziemlich amüsant, aber auch unheimlich schockierend mitanzusehen. Nicht einmal von den „Carabinieri“ (der italienischen Polizei) werden die Verkehrsregeln eingehalten. Das Motto hier: Augen zu und durch. Im Allgemeinen kann man also sagen, dass das Busfahren in Rom ziemlich mühsam vonstatten geht. Hinzu kommt, dass der Bus hoffnungslos überfüllt ist und die Leute sich gegenseitig anrempeln – ohne Rücksicht auf Verluste. Angenehmer Nebeneffekt: Beim Aussteigen ist man um einige Zentimeter schmaler. Am Ziel angelangt, sehen wir uns also noch einmal den Palazzo an und gehen dann weiter in Richtung Süden: zum Kolosseum.

Um Zutritt zum Kolosseum zu erhalten, muss man als Erwachsener tatsächlich zehn ganze EURO hinblättern. Unverschämt teuer, denn so sehr viel gibt es gar nicht zu sehen. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Immerhin. Das römische Kolosseum, früher flavisches Amphitheater genannt, wurde in den Jahren 72 bis 80 n.Chr. erbaut, von Kaiser Vespasian (69-79 n.Chr.) begonnen und von Kaiser Titus (79-81 n.Chr.) eingeweiht. Ganz fertiggestellt wurde es aber erst unter Kaiser Domitian (81-96 n.Chr.). Während der Einweihungswochen (100 volle Tage) ließen etwa 2000 Gladiatoren und 9000 Tiere ihr Leben. Das „Colosseo“ wurde überwiegend aus Travertinblöcken (poröses Kalkgestein) gebaut, die jeweils ca. zwei Kubikmeter groß waren und fünf Tonnen wogen und mit Metallstiften zusammengesetzt wurden.

Nach 523 n. Chr., für dieses Datum setzt man die letzten Kampfspiele an, wurde das gewaltige Gebäude durch diverse Erdbeben immer wieder beschädigt und im Mittelalter als Festung und in der Renaissance als Steinbruch zum Bau verschiedener Bauten in Rom genutzt oder vielmehr missbraucht. Papst Benedikt XIV (1740-1758) gebot der Zerstörung jedoch bald Einhalt.

Weiter geht es zum Forum Romanum, welches sich ein paar Meter nordwestlich des Kolosseums befindet und eine Reihe antiker Bauten wie Tempel und Termen birgt, die Kaiser Septimus Severus erbauen ließ. Das Forum gilt als Zentrum des antiken Rom. Im 18. Jahrhundert wurde in Rom eine Reihe von Ausgrabungen durchgeführt, bei denen man ca. 3 Meter Erdreich abtrug und mithilfe derer man schnell das Areal freilegen konnte. Das Foro Romano, welches sich aus 22 Denkmälern zusammensetzt, erlebte die Blüte und den Zerfall des römischen Imperiums und seine Ruinen erzählen von der faszinierenden Entwicklung der Geschichte, Kunst, Religion und Kultur der damals existierenden Menschheit. In der Kurie, dem Machtzentrum der römischen Republik fanden die Sitzungen des römischen Senats statt, bei denen natürlich auch die römischen Kaiser anwesend waren.

Im Tempel der Vestalinnen (Vesta = altitalische Göttin des Herdfeuers, Beschützerin der Familie) lebten sechs Priesterinnen, welche das ewig brennende Feuer zu Ehren der Göttin Vesta hüteten. Sie waren verpflichtet, bis an ihr Lebensende jungfräulich zu bleiben. In der Gesellschaft genossen sie hohes (auch politisches) Ansehen und hatten sogar ein eigenes Fest, das „Vestalia-Fest“, welches an jedem 9. Juni stattfand. Die zahlreichen Triumphbögen bedeuten den Besuchern noch heute die militärischen Siege, die das Römische Reich erzielte. Durch das Foro Romano führt die Via Sacra, die Heilige Straße, welche zum Kapitol auf den kapitolinischen Hügel hinaufführt.

Am Nachmittag nehmen wir einen Mittags-Imbiss in einer kleinen Taverna an der Piazza Venezia ein. Wieder schmeckt das Essen nicht besonders gut, aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmt wenigstens. Das Brot ist ziemlich lecker nicht so trocken wie in dem Lokal auf der Piazza Navona.

Anna-Maria hat dennoch einen wahnsinnigen Appetit auf Pizza, also gehen wir in das Fastfood-Restaurant „Spizzico“ (Nicht wirklich eine Sehenswürdigkeit, bekommt jedoch von mir eine fette Markierung, weil lecker Pizza). Nach einer Pause im Hotel und einem wohlig-warmen Bad, das den Füßen und dem Rücken sehr gut tut, gehen wir shoppen und lassen den Abend gemütlich mit Wein ausklingen.

Roma o morte! – 2. Tag

Heute also ist der 50. Geburtstag meiner Mutter. Man sieht ihr dieses Alter nicht an. Es ist erstaunlich, wie fit und jugendlich sie geblieben ist. Ich bewundere sie sehr für ihr Temperament. Wir drei Töchter überraschen sie mit einer Flasche Sekt, einer Tiramisu-Torte und einer großen Rose und frühstücken ausgiebig und bis in den Vormittag. Als wir kurz vor 12 Uhr mittags, heute ist Sonntag, am Vatikan ankommen, wundern wir uns über die Menschenmengen.

Plötzlich wird uns klar, warum alles so übervoll ist: Punkt 12 Uhr hält der Papst die Sonntagmesse. Auf dem Petersplatz, in dessen Mitte sich der ägyptische Obelisk befindet (37 n. Chr. aus Heliopolis nach Rom gebracht), sind noch immer das Krippenspiel und ein riesiger Weihnachtsbaum aufgebaut. An dem Baum hängen schwere, silbrige und goldene Weihnachtskugeln, in denen sich der Petersdom, der Petersplatz und der Vatikan widerspiegeln.

In den Dom gehen wir noch nicht hinein, denn das haben wir uns für einen anderen Tag vorgenommen. Nach der Messe machen wir fünf uns auf den Weg zur Aussichtsplattform Piazza di Garibaldi, von der aus man einen wunderschönen Blick über Rom hat. „Roma o morte“ – „Rom oder Tod“, der Kampfruf Garibaldis, steht auf dem Sockel des großen Monuments geschrieben und stimmt mich im Hinblick auf die Aussicht nachdenklich.

Von hier aus können wir auch den riesigen Petersplatz sehen, auf dem wir noch eben der vor Alter krächzenden Stimme des Papstes gelauscht haben. Langsam steigen wir wieder ab und marschieren in Richtung Tiber. Wir wollen uns die Isola Tiberna (Tiberinsel) im Stadtteil Trestevere (hier leben viele berühmte italienische Künstler) ansehen, auf der wir allerdings nicht lange verweilen.

Die Piazza Venezia, die wir im Anschluss besuchen, ist der zentrale Platz Roms, an dem die meisten Buslinien kreuzen. Meinen Schwestern schmerzen die Füße, und sie fahren mit dem Bus ins Hotel, um sich auszuruhen. Hier steht auch auf einem Hügel liegende Denkmal Vittorio Emanuele II. Über eine Freitreppe erreicht man das Reiterstandbild desselben Vittorio Emanuele II., dem Begründer der Italienischen Republik. In der Säulenhalle befinden sich Figuren, die die Regionen Italiens darstellen. Der Palazzo wurde zwischen 1455 und 1467 für Kardinal Petro Barbo aus Venedig erbaut und diente Mussolini während des Faschismus’ als Amtssitz. Nahe der Piazza Venezia trinken meine Eltern und ich einen Cappuccino und laufen zu Fuß ins Hotel.

Abends fahren wir mit der Metro (Die Metro-Netze sind nicht sonderlich gut ausgebaut, dafür ist das Ticketsystem übersichtlich) in die Innenstadt und sehen wir uns den monumentalen Trevi-Brunnen, Fontana di Trevi, an, welcher den Meeresgott auf einem Karren darstellt, der von zwei Tritonen gezogen wird. Über den vier Säulen sind die Statuen der Tugenden dargestellt. Der Brunnen hat seinen Namen aufgrund seines Standortes: Er befindet sich an der Kreuzung dreier Straßen, was im Italienischen „tre vi“ (drei Straßen) heißt.

In diesem berühmten Springbrunnen wurde auch die berühmte Badeszene für den Film „Dolce Vita“ von Frederico Felini gedreht. Nach einem alten Brauch muss man eine Münze über die Schulter in den Trevibrunnen werfen, um eines Tages wieder nach Rom zurückzukehren. Auf diese Weise gelangt die Stadt beinahe zu Reichtum: Jährlich landen ca. 100 Millionen Euro im Wasser, welche der Caritas zu Gute kommen.

Wir essen anschließend nahe dem Trevi-Brunnen in einem optisch sehr ansprechenden Restaurant, das nach gemütlicher Atmosphäre ausschaut. Am Eingang sieht man gerahmte Bilder mit Persönlichkeiten und Musikstars wie Mariah Carey, die einmal hier gegessen haben. So weit, so gut. Wir bekommen einen Tisch im Hinterzimmer. Die Küche ist sehr schlecht, das Brot ist trocken und wird mit 7,50 EUR (!) berechnet. Die Suppen und Pasta, die wir aufgetischt bekommen, sind ebenfalls vorgefertigt und schmecken, wie zweimal aufgewärmt (Mariah hat sicher Sternchen-Service genossen). Die zehn Prozent Trinkgeld sind schon auf der Rechnung aufgelistet und eingerechnet. Wieder ein Reinfall. Ja ist es denn so schwer, in Italien anständige Pasta zu bekommen? Anscheinend werden Touristen in Rom ziemlich abgezockt und hinters Licht geführt. Zum Essen sollte man deshalb besser in kleine Nebenstraßen fahren.

Roma o morte! – 1. Tag

Anlässlich des 50. Geburtstags meiner Mutter waren wir in gesammelter fünfköpfiger Familie vom 15. bis 19. Januar 2005 auf Städtereise in Rom.

Für die damalige Zivilisation war die Metropole vor allem eins: das Zentrum der Welt. Man kann heute noch erahnen, welcher Glanz von der „Ewigen Stadt“ ausgegangen sein muss. Als die Germanen noch in primitiven Strohhütten hausten, war Rom bereits Welt- und Kulturstadt. Nach 2.000 Jahren römischer Geschichte sind zahllose antike Kirchen, Brunnen und Denkmäler noch immer erstaunlich gut erhalten. Die Riesenvielfalt an Gebäuden erschlägt einen fast. Fünf Tage reichen eigentlich gar nicht aus, um die Stadt kennen zu lernen. Man sollte ein paar Wochen einplanen. Mir hat der Kurztrip dennoch viel gegeben.

Fußmärsche, Sehenswürdigkeiten und früh aufstehen stand bei uns jeden Tag auf der Tagesordnung. Glücklicherweise hatten wir bis zu unserem Abreisetag strahlenden Sonnenschein und Temperaturen bis zu 15 Grad. In fünf Tagen haben wir es tatsächlich geschafft, beinahe alle Sehenswürdigkeiten der kulturellen Metropole innerhalb des antiken Stadtkerns zu besichtigen und zu erkunden: von der Villa Borghese über den Trevibrunnen bis hin zum Collosseum. Wir mussten uns auch wirklich auf die Stadt beschränken. Gern hätte ich noch die Via Appia (die alte Römerstraße, die von Rom nach Capua führt) und Ostia Antica (ehemaliger Hafen Roms, Ausgrabungsstätten) gesehen.

Nachfolgend mein Reisebericht. Wer keine Lust hat, sich durch den Text zu scrollen und einfach nur Fotos gucken möchte, kann dies HIER tun.


Flughagen Berlin Tegel: Die Boing 757 der Fluggesellschaft Air Berlin in Richtung Rom verliert ihre Bodenhaftung etwa gegen 06:10 Uhr in der Früh. Sowohl die Maschine als auch unser Reisefieber steigen stetig an. Zugegeben: Auch mein Puls hat seine Geschwindigkeit auf Abheben eingestellt. Ich sitze am Fenster und halte die Hand meiner jüngeren Schwester. Nein, nicht sie hat Angst. Ich bin es leider, die mit Skepsis auf das Rattern, Brummen und Summen ungewohnter Geräusche lauscht und mit weit aufgerissenen Augen und ruckartigen Blicken nach links und rechts die Situation beobachtet. Ich bin seit 2001 nicht mehr geflogen … Was soll’s: Nach unten werden wir auf jeden Fall kommen. Mit diesem Gedanken versuche ich mich – natürlich absolut erfolglos – zu beruhigen.

Ein Buch, ein Käsebrötchen und Tomatensaft – okay, eigentlich waren es zwei Kümmerlinge, die ich mir vor dem Flug schnell hintergekippt habe – schaffen es immerhin, mich etwas entspannter werden zu lassen. Ich denke an meine vergangenen Flugreisen, die ich ja immerhin auch überlebt habe. Ich denke daran, wie jung ich damals noch war … Jetzt bin ich 25 und freue mich, dass ich schon so viel von der Welt sehen durfte. Beschwipst grinse ich vor mich hin. Ich schaue auf die friedlich schlummernde Wolkenfront unter mir und träume vom alten Rom und – keine Ahnung warum – plötzlich von einer Reise nach Cuba.
Oh, na das ging schnell. Wir sinken!

Um 07:45 Uhr landen wir sicher auf dem Airport Fuimicino außerhalb der Stadt. Ein Taxi bringt uns für 50 Euro (den Preis müssen wir erst aushandeln) in unser Hotel, das „Cicerone“ in der Via Cicerone, direkt im Zentrum, beinahe direkt am Fluss Tiber. Es trägt vier Sterne und wie wir jetzt sehen, auch berechtigt: Gemütlichkeit und ein sehr freundliches Personal strahlen uns entgegen. Normalerweise sollen wir erst gegen 12:00 Uhr einchecken, doch unsere Zimmer sind schon vorbereitet, und wir können unser Gepäck abstellen und uns frisch machen. Wir sind zu fünft und haben zwei Doppelzimmer, in denen jeweils auch eine ausklappbare Schlafcouch steht, die meine ältere Schwester nutzt, da sie die Kleinste ist.

An unserem ersten und wahrscheinlich auch längsten Tag steht die Erkundung des Pantheons und diverser Piazzas auf dem Plan. Wir gehen einfach drauflos, ohne uns genau zu überlegen, welche Route wir einschlagen. Falsch machen können wir ja ohnehin nichts, denn: Alle Wege führen nach Rom. Wie praktisch es da doch ist, dass wir bereits in Rom sind. Haha.

Die Via Cola di Rienzo entlang und an der Piazza della Libertà vorbei gehen wir über eine der zahlreichen Tiber-Brücken, die Ponte Regina Margherita, zur Piazza del Popolo, welche vor allem durch die Zwillingskirchen bekannt ist, von denen sich eine zwischen den Straßen Via del Babuino und Via del Corso (eine sehr renommierte Einkaufsstraße) befindet und die andere zwischen letztgenannter und der Via di Ripetta thront. Nachdem wir uns an einem der zahlreichen Brunnen auf der Piazza del Popolo ausgeruht haben, gehen wir zur Piazza di Spagna, die sicher durch ihre Spanische Treppe (im Dunkeln besonders fotogen) in der ganzen Welt bekannt ist. Ihr römischer Name ist Scalinata di Trinità dei Monti. Stars wie Laura Pausini und Lara Fabian haben hier bereits Konzerte gegeben.

Weiter in Richtung Süden, durch die Piazza Colonna und die Piazza Mignanelli hindurch, erreichen wir anschließend eines der kulturträchtigsten Gebäude der Weltstadt, dessen Bau in den Jahren 27-25 v. von Agrippa (Schwiegersohn des Augustus) im Rahmen einer Neugestaltung des Viertels und zur Ehrung der Planetengötter begonnen wurde: Das Pantheon auf der Piazza della Rotonda.

Zu der Zeit besaß es allerdings noch keine Kuppel, sondern scheint ein rechteckiger Tempel gewesen zu sein. Im Jahre 80 n. Chr. zerstörte ein großflächiger Brand den beiendruckenden Bau. Von der zweiten Bauphase, die nach dem Unglück einsetzt, ist leider nichts bekannt. 118-125, in den ersten Regierungsjahren des Kaisers Hadrian erhielt das Pantheon sein derzeitiges Aussehen. Es wurde vollständig verändert und bekam seine Kuppel. Der byzantinische Kaiser Phokas schenke 608 dem Papst Bonifaz III. das gesamte Gebäude, wofür ihm die Römer eine Ehrensäule auf dem Forum aufstellten, die sogenannte „Phokassäule“. Bonifaz wandelte später das Gebäude in eine Kirche um. Von außen schaut das Pantheon relativ unscheinbar aus, jedoch wird man im Inneren durch prunkvollen Gold- und Bronzeschmuck an den Wänden verblüfft,welche dem Bau eine besondere Aura verleihen. Die Kuppel des Gebäudes ist die größte der Welt und besitzt als einzige Lichtquelle eine kreisförmige Öffnung in der Mitte, die allerdings nicht verglast, sondern tatsächlich offen ist. Ein Drainagesystem sorgt für den Abschluss des Wassers bei Regen und Schnee.

Kaffeepause am Pantheon: Espresso und Cappuccino. Meine Mutter ärgert sich fast ein bisschen, dass sie hier keinen „richtigen“ großen Kaffee haben… Ein Espresso ist ihr zu wenig. Anna-Maria trinkt eine sehr leckere heiße Schokolade (Vollmilch- und weiße Schokolade), von der ich Fotos mache.

Nach der Stärkung geht es weiter in Richtung Piazza Navona, einem kapselförmigen Platz, auf dem wir noch eine Kaffeepause machen, da uns langsam ein bisschen die Füße weh tun. Die Piazza ist auf den Ruinen des antiken Stadions des Domitian aufgebaut und für seine drei Brunnen bekannt. Der mittige, mit einem Obelisk versehene, größte Brunnen ist das Werk Berninis und stellt die vier Flüsse Donau (für Europa), Ganges (für Asien), Nil (für Afrika) und Rio della Plata (für Amerika) dar. Gegenüber befindet sich die Barockkirche Sant’Agnese in Agone. Die seitlichen Brunnen stellen den Kampf des Mohren mit einem Delphin (Fontana del Moro) und den Neptunbrunnen (Fontana del Nettuno) dar.

Weit nach Einbruch der Dunkelheit, wir werden auch langsam müde, machen wir uns, diesmal über eine andere Brücke (Ponte Umberto I), auf den Weg nach Hause. Wir kommen am imposanten Palazzo di Giustizia (Gerichtspalast) vorbei, der von dem Architekten Guglielmo Calderini (1888 bis 1911) erbaut wurde. Seit 1880 war der Bau, dessen Voraussetzung die Gründung des italienischen Nationalstaates 1870 war, in Planung. Nachdem wir uns gut ausgeruht haben, essen wir abends auf der Piazza Navona: Die Preise sind überteuert – das ist ja eine Sache, die in einer Weltstadt nicht anders zu erwarten war und mit der man sich auch abgefunden hätte. Nur leider wird das Essen – wie in fast allen touristischen Gebieten in Rom – vorgefertigt und nur noch erwärmt. Mich würde es nicht wundern, wenn es sich gar um Mikrowellenessen handelt. Sehr schlechte Küche. Nie hier essen gehen – bitte vormerken. Aber trinken kann man hier gut: Der sogenannte „Hauswein“ (es war sicher kein Hauswein) ist okay. Es kann natürlich auch sein, dass wir soviel davon getrunken haben, dass wir ihn uns leckergetrunken haben. Meine Eltern beschließen, nach Hause zu gehen, wohingegen meine Schwestern und ich in einer Bar unseren Abend ausklingen lassen. Gegen 3 Uhr fallen auch wir erschöpft ins Bett.