Heute Abend haue ich ordentlich rein. Zum Abendessen gibt es Gulasch! Ich liebe das. Gulasch mit Maccaroni. Kein ungarisches, aber ein anständig improvisiertes. Scharf – und mit Petersilie (wer ist eigentlich dieser Peter Silie?) Der Süße schaut mich erstaunt an.
„Da hat aber jemand so richtigen Appetit heute.“ Er grinst anerkennend.
„Ach, Du weißt doch: Ich bin ein richtiger Vielfraß!“ Und grinse zurück.
Der Vielfraß heißt Vielfraß, weil er besonders viel frisst? Ja, diesmal stimmt meine Ableitung. Doch leider nur indirekt: Der Vielfraß frisst tatsächlich viel: jede Menge Beeren, kleinere Vögel und viel Aas. In Wirklichkeit aber hat er seinen Namen vom norwegischen fjeldfross. Was ist denn das nun schon wieder? Es ist ein „Bergkater“. Das wiederum ist eine ziemlich große Art Marder. Ja, ich erinnere mich an meine Schulzeit. Da hat es auf dem Mädchenklo auch einmal einen gegeben. Uha. Mit Respekt sind wir austreten gegangen. Und dann? Ganz schnell wieder zurück ins Klassenzimmer. Als wäre „ein Geist“ hinter uns her. Wer kennt das nicht, dieses Kribbeln, das einem in den Rücken schießt, wenn man jemanden unmittelbar hinter sich wähnt?
Zurück zum eigentlichen Thema: Hansische Pelzhändler haben das Wort fjeldfross im 15. Jahrhundert ganz in ihrem Sinne umgedeutet: nach dem bereits vor 900 Jahren bekannten zweibeinigen filvfráz. Ja, und das entspricht eben dem heutigen Vielfraß.
Bin ich eben ein verfressener Marder. Na und?
Ich stehe auf und hole mir noch eine letzte Portion Gulasch – für heute. Ich bin da ganz Vielfraß.




Junge Akrobaten – gesehen auf der Hanse Sail Rostock.