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Freitag den Freiern

Heute ist Freitag! Endlich. Ich mache mir Gedanken über die Herkunft des Wortes. Freitag. Nennt man diesen Tag so, weil die „Freiheit“ – nämlich das Wochenende – naht? Oder hat das Wort Freitag etwas mit freien (entspricht quasi: jemanden unbedingt heiraten wollen) zu tun?

Der Freitag ist zwar ein ziemlich oft gewählter Tag für Hochzeiten. Seinen Namen aber hat er allerdings von der germanischen Liebesgöttin Freya – sozusagen der nordgermanischen Venus. Der „Tag der Freya“, Freitag eben, entspricht dem Veneris dies, dem Venustag. (Ha! Und deswegen sagt man in Frankreich auch vendredi und in Italien venerdi.)

Der Freitag ist also seit der Antike den Liebesgöttinnen gewidmet.
Eben doch gut geeignet zum Heiraten!

Der Typ gegenüber

S-Bahnhof Frankfurter Allee. Ich warte auf meinen Zug, der mich zurück nach Charlottenburg bringen soll. Noch acht Minuten. Macht nichts. Ich bin in ein Buch über Typografie und Layout vertieft. Meine neueste fachliterarische Errungenschaft. Ich lese von X-Höhen, Ligaturen, Sakkaden und Sperrungen. Nicht zu fassen, was man selbst in Sachen Druckschrift und Schriftsetzen so alles beachten kann oder sogar sollte. Wieder so eine Wissenschaft für sich. Eine Wissenschaft, die ich verstehen möchte.

Jemand hat sich relativ dicht neben mich gestellt. Eine Mann. Doch das bemerke ich nur aus den Augenwinkeln. Zu spannend ist mein Buch. Ich bemerke auch, dass er mich von oben bis unten mustert. Auch das kommt vor. Frauen werden nunmal angestarrt. Ich lese weiter ohne auzuschauen.

Da kommt sie, die Bahn. Der Typ steigt nach mir ein. Ich sehe seinen Schatten mir folgen. Er setzt sich mir gegenüber. Erst jetzt schaue ich ihn mir richtig an. Ich starre ihn an – und muss lachen. Er stimmt mit ein.

Das erlebt man nun wirklich nicht alle Tage: Er trägt die gleiche Sonnenbrille wie ich. Eine originale Ray Ban. Eine, die noch in den USA gefertigt wurde. Das sehe ich sofort. Doch das ist nicht alles: Er trägt die gleichen Chucks wie ich – in genau derselben Farbe: hellgrau mit roten Streifen an der weißen Sohle. Die Hose: Bluejeans, genau wie meine. Beide tragen wir ein schwarzes Shirt. Selbst seine dunklen, lockigen Haare hat er – wie ich – zu einem Pferdeschwanz gebunden. Verstohlen mustern wir uns immer wieder gegenseitig.

Station Greifswalder Straße. Vor ein paar Monaten habe ich noch in der Gegend gewohnt. Der Typ erhebt sich – aber nicht, ohne noch einmal zu grinsen.
„Du bist Musikerin, richtig?“
Dann steigt er aus.

Coralita beim Lesen

Alles schick?

Beim Aufräumen einer Festplatte voller Fotografien entdecke ich das Porträt einer beeindruckenden Frau. Einer Dame. Ich habe sie vor ein paar Jahren auf einem Abiturball abgelichtet. In ihrer gesamten Erscheinung hat sie mich fasziniert. Ihr Gesichtsausdruck, ihre Kleidung und Körpersprache: Sie zog mich regelrecht in ihren Bann. Ich fand sie todschick.

Warum ist jemand todschick? Vielleicht, weil man bei seinem Anblick vor Bewunderung tot umfallen könnte? Ja, gar nicht so übel, diese Ableitung. Sie stimmt nur leider nicht: Todschick hat seinen Ursprung – schon wieder! – im Französischen. Die Phrase tout chic bedeutet so etwas wie total schick. Aha! Ja, das leuchtet ein.

Jetzt wird es richtig spannend: Nur das erste Wort des Ausdrucks – nämlich tout – entstammt der französischen Sprache. Chic hingegen stammt vom Deutschen schick ab – nicht andersherum, wie man glauben könnte!

Etwa seit dem 15. Jahrhundert bedeutete das Wort schick bei uns so viel wie von gutem Benehmen oder eben von gutem Aussehen. Und weil das Wort irgendwann als veraltet galt, gebrauchte man es hierzulande gar nicht mehr. Später allerdings kam es dann als chic aus dem Französischen wieder zu uns zurück – nachdem es wohl über die Schweiz und das Elsaß ausgewandert war.

Wieder was dazugelernt? Na dann ist ja alles schick!

Weiß, was sich schickt: todschicke Dame