Jacke – verzweifelt gesucht

Dreh in einem Altenpflegeheim. Unser Filmtrio porträtiert eine Ergotherapeutin. Dann eine Altenpflegerin. Wir dürfen auch einem hochmotivierten und kreativen Koch in seine Töpfe luken und ihm – wenigstens ein paar – seiner „ganz persönlichen Kochgeheimnisse“ entlocken. Es duftet wirklich wunderbar. Champignons, frische Kräuter, jede Menge Sahne … Sünde! Und es ist elf Uhr durch. Mein Magen beginnt zu knurren. Echt eine fiese Sache, so ein Dreh auf nüchternen Magen.

Hochkonzentriertes Arbeiten. Schuss, Gegenschuss. Totale, Close-Up, Schwenk. Und so weiter. Die Stunden vergehen. Es ist Nachmittag, und wir haben alles im Kasten. Gut gelaunt – und hungrig – gehen wir in Richtung „Produktionsauto“. Alles schön in Ruhe zusammenpacken und uns dann ein gepflegtes Mittagsmahl genehmigen. Das haben wir uns auch verdient. Pizza. Oder Nudeln. Oder Steak oder so.

„Meine Jacke … !“ Unser Kollege schaut uns an. So, wie man eben schaut, wenn die Erkenntnis kommt, dass etwas fehlt. Es fehlt: eine dunkelblaue Adidas-Jacke. Mit drei weißen Streifen. Na klar. Wir suchen sie überall – und zu dritt. Nichts und nirgendwo. Vom Erdboden verschwunden, so scheint es. Eine regelrechte Jagd quer durch die sechs Etagen des Heims. Wir fragen alle, die uns in die Quere kommen über den Weg laufen: Pfleger, Reinigungskräfte, Senioren. Doch noch einmal auf die Sechs? Ja, einen letzten Versuch starten wir noch. Ansonsten ist sie eben weg, die Jacke.

In der sechsten Etage befindet sich die Wohngemeinschaft der Demenzkranken. Blick nach links, Blick nach rechts. Nein, auf der Herrentoilette ist sie auch nicht. Sicherheitshalber schaue ich sogar in einen Papierkorb. Man kann ja nie wissen. Sie ist wohl wirklich weg.

Wir laufen an einem sportlich gekleideten Herrn vorbei. Ich finde ihn auf Anhieb sympathisch. Und so adrett! Warum genau? Ich drehe mich noch einmal nach ihm um. Er sieht wirklich gut und um einiges jünger aus in dieser Jacke – ich schaue genauer hin – dunkelblauen Adidas-Jacke! Ich bleibe stehen, mache – total unauffällig – „ksssst!“ zu den Jungs. Wir starren mit offenem Mund – und brechen in Gelächter aus.

Die Situation klärt sich rasch. „Prof. Dr. Schmidt!“ Der Pfleger geht auf seinen Patienten zu. „Ist das Ihre Jacke?“ Er blickt grinsend zu uns rüber. Wir nicken. Der Pfleger lacht; der Senior grinst schelmisch.

Ein altes Sprichwort besagt: Wem die Jacke passt, der mag sie anziehen.
Und genau das hat der alte Herr wohl auch gedacht.

8 Gedanken zu „Jacke – verzweifelt gesucht“

  1. Hallo Brigitte,

    Filmdrehs sind immer spannend: Man lernt tolle oder weniger tolle Menschen kennen, verschiedene Mentalitäten, Orte und Situationen, mit denen man gar nicht gerechnet hat. 😀

    Danke, Dir auch ein tolles Wochenende! (Bei mir ist es diesmal mit viel Arbeit verbunden.)

    Grüße,
    Coralita

  2. Hola! 😉

    Sieht nach ’ner PMW-EX1-R aus.
    (Da guck ich quasi mit meiner Consumer-JVC in die Röhre. ;-D
    Ich find ja die englischen Fachbegriffe aus der Profi-Filmerszene cool.
    „Workflow“ – Das fließt dahin, das suggeriert Professionalität.
    (Dagegen kommt „Arbeitsschritte“ total altbacken-hölzern rüber. 😉

    Einer flog übers Kuckucksnest. 🙂

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