Alle Beiträge von Coralita

Großonkel

Eben habe ich mir den Fuß gestoßen. Besonders weh tut der große Onkel. Und noch während ich damit beschäftigt bin, im übertragenen Sinne meine Wunden zu lecken, frage ich mich: Warum sagt man eigentlich „großer Onkel“? Der große Zeh ist groß, ja – zumindest größer als die anderen. Aber Onkel? Sind die anderen Zehen dann die kleinen Onkel? Oder Neffen oder Nichten?

Ich schlage nach: Der große Zeh hat seinen Spitznamen aus dem Französischen! Aha: Grand ongle. Da ich des Französischen mächtig bin, weiß ich auch gleich, was das übersetzt heißt: großer Nagel. Stimmt, ongle klingt wirklich ein bisschen wie Onkel. Wieder etwas dazugelernt.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Schmerz jetzt auch ganz schnell nachlässt.

Eifersucht – mit Eifer gesucht?

„Ich bin ja so schrecklich eifersüchtig!“, beklagte sich neulich eine Freundin bei mir. Das ist wohl jeder mal – mehr oder weniger. Heißt „Eifersucht“ jetzt eigentlich so, weil man „mit Eifer sucht, was Leiden schafft“ (Hermann Kurz)? Guter Gedanke, doch weit gefehlt: Das Wort „Eifer“ stammt vom altdeutschen „eivar“ (bitter) ab, hat aber im Laufe der Zeit eine eher positive Bedeutung angenommen. Bei der „Eifersucht“ handelt es sich auch nicht um eine Sucht, sondern vielmehr um ein Siechen. Um ein „bitteres Siechen“ also – etwas, das krank machen kann.

Herr Kurz noch einmal lang:
„O Eifersucht, Eifersucht, du Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“

Ich find‘ Dich dufte!

Woher kommt er eigentlich, der Spruch „Ich find Dich dufte?“ Warum sagt der Berliner das? Vielleicht, weil er jemanden – im wahrsten und im übertragenen Sinne – „gut riechen“ kann? Könnte man annehmen, stimmt aber leider nicht. Licht ins Dunkel: Der Ausdruck dufte für „toll“ stammt aus dem Hebräischen „tow“. Das bedeutet „gut“ oder auch „fein“. Wie andere deutsche Wörter ist es über das Jiddische in die Deutsche Sprache eingegangen.
Ich finde, dufte ist ein duftes Wort.

Leerer Teller, schönes Wetter?

Immer wieder höre ich Eltern zu ihren Kindern sagen: „Wenn Du Deinen Teller leer isst, wird morgen schönes Wetter.“ Das habe ich als kleines Mädchen auch dauernd von meiner Mutter oder Oma gehört. Nie habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was ein leerer Teller wohl mit schönem Wetter zu tun haben könnte. Heute war es aber soweit. Ich habe mir sogar ausgiebig Gedanken zu dieser vermeintlich abergläubischen Absurdität gemacht.  Doch weil die Erleuchtung nicht kommen wollte, habe ich mich eben schlau gemacht.

Der Spruch entstand aus einem Missverständnis heraus. Wenn in längst vergangenen die armen Kinder vom Lande die letzten Bissen ihres leckeren Essens hin- und herschoben (aus Angst, danach nichts mehr zum Genießen zu haben), wurden sie von ihrer Mutter beruhigt: „Esst nur alles schön auf, morgen gibt es wieder Schönes“.
Schönes wedder
. Schönes wieder. Plattdeutsch. Aha! Jetzt ergibt das alles auch einen Sinn.

In diesem Sinne: Guten Appetit!
Und keine Sorge: Das Wetter bleibt trotzdem schön, egal, ob ihr aufesst oder nicht.