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Das geht doch auf keine Kuhhaut!

Gerd aus Mecklenburg-Vorpommern schreibt: „[…] Mir ist gerade Folgendes entwichen: Das geht doch auf keine Kuhhaut! Woher stammt diese Redewendung?“

Ich habe für Dich recherchiert, lieber Gerd: Der Ausruf Das geht auf keine Kuhhaut stammt aus dem Mittelalter. Damals schrieb man noch nicht auf Papier, sondern auf Pergament. Dieses Material gewann man aus verschiedenen Tieren: Schafen, Ziegen oder Kälbern. Je größer das Tier, desto größer auch das Pergament. Und so ein Pergament aus Kuh ist eben ein ganz besonders großes. So weit, so gut. Und nun?

Damals jedenfalls glaubten die Menschen, der Teufel würde all ihre Sünden auf Pergament notieren und sie ihnen nach ihrem Ableben darlegen. Ah, man ahnt es schon: Passten all diese Sünden nicht einmal auf eine Kuhhaut – nämlich auf ein besonders großes Pergament! –, so hatte der betreffende Sünder mächtig viel auf dem Kerbholz

Die Redensart Das geht auf keine Kuhhaut drückt heute aus, dass etwas zuviel des Guten – oder eben des Schlechten – ist. Ja, und manchmal ist es auch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Doch dazu später.

Das geht doch auf keine Kuhhaut! – Bullen auf Pferden (in Denver, Colorado/USA)

Es zieht wie Hechtsuppe

Meine Güte, ist das windig draußen! In unserer schönen Berliner Altbauwohnung sind ein paar Fenster geöffnet. Sie schlagen kräftig gegen die Rahmen. Es zieht wie Hechtsuppe!
Schluss mit dem Lüften. Hingeeilt, und die Fenster geschlossen. Ruhe – und Windstille.

Doch keine Stille in meinen Gedanken: Bezieht sich die Redensart Es zieht wie Hechtsuppe auf ein Fischgericht? (Hmmm, schmackhafte Hechtsuppe mit vielen Zwiebeln und frischem Suppengrün! Abgeschmeckt mit leckerem Weißwein …) Ja, das könnte man meinen oder: möchte man wohl eher.

Denn: Was hat ein kalter Luftzug mit einem leckeren Mahl zu tun?
Hier die Erklärung für alle Wissenshungrigen:
Hechtsuppe ist eine Verballhornung der jiddischen Wörter hech („wie“) und supha („Sturm“). Oh ja, das klingt wie Hechtsuppe.

Es zieht wie Hechtsuppe bedeutet also: Es zieht wie bei einem Sturm.
Wie ich diese Sprachverdreher liebe!

Kein Hecht, aber auch nicht schlecht: Dieses unscharfe (und nicht gerade appetitanregende) Handyfoto entstand bei „Rogacki“ in Charlottenburg

Bremen gegen Bayern

Samstagabend. Heute spielt Bremen gegen Bayern. Mein Süßer und ich wollen das Bundesligaspiel im „Okeh“ in der Pariser Straße sehen. Und ein paar leckere Fajitas essen.

Yeah, den besten Platz ergattert: eine riesige Leinwand vor uns und – noch – freie Sicht. Doch halt: Bluescreen. Mein Süßer ruft nach der Bedienung. Ein technisches Problem, sagt sie, aber das kriegen wir schon in den Griff. Neuer Beamer und so. Oh nein. Wir rennen durch das Lokal – auf der Suche nach weiteren Sitz- und Sehmöglichkeiten. Wah, alles reserviert.

Doch dann haben wir Glück: Im hinteren Teil der Lokalität sind noch zwei Plätze frei, direkt vor einem Plasmabildschirm. Entspannt und zufrieden setzen wir uns und schauen in die Karte. Was denn, hier gibt es keine Fajitas mehr? Ratlose Blicke. Wir überlegen kurz, uns noch schnell eine andere Location zu suchen. Anpfiff. Der Süße schaut verzweifelt. Okay, bleiben wir eben – und essen Steak. Auch keine schlechte Wahl.

Ich schaue mich in unserer Nische um. In der Ecke sitzt einer, den ich von irgendwoher kenne: schlank, blond, Dreitagebart, nettes, aber unnahbares Gesicht. Ah, das ist doch der Doktor aus dieser Daily Soap! Marienhof. Derselbe Stil wie in der Serie. Das sieht man selten. Er schaut gebannt auf den Bildschirm.

Was tut man, wenn ein Sternchen in der unmittelbaren Nähe sitzt? Es gibt zwei Möglichkeiten: Man starrt hin. Möglichkeit zwei: Man tut so, als würde man ihn ignorieren. Ich entscheide mich für letzteres – und bin froh, dass ich eine Frau bin: Ich habe diesen unverschämt guten Weitblick und beobachte ihn einfach aus den Augenwinkeln. Der Liebste schaut mich fragend an. Ich bedeute ihm, sich jetzt nicht umzudrehen. Er dreht sich um.

Als die Bayern ihre erste absolute Torchance vergeigen, fasst sich der Doktor klatschend an den Kopf: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Ich zucke zusammen. „Ihr Flaschen!“ Der brüllt regelrecht. In seiner Rolle ist er ein für meine Begriffe unscheinbarer, stiller Typ. Schreien tut er da eigentlich nicht. Im Gegenteil: Er hat eine eher schlichtende Funktion. „Mach den doch rein, Mensch!“ Der Süße und ich schauen ihn jetzt grinsend an. Er wird doch nicht die Beherrschung verlieren? Der Doktor schaut zurück – und wird ein bisschen rot.

Der Süße und ich – wir sind für Bremen. Bei einer verpatzten Torchance schreit mein Süßer auf. Der Doktor schaut ihn an und grinst.
Ausgang des Spiels: Null zu Null.

Keine Fajitas, dafür aber leckere Cocktails

Stockfinster

Gerade noch von der Karibik geträumt und jetzt das: total verregnet ist es draußen. Und stockfinster. Was für ein ungemütlicher Anblick.
Wieder so ein Wort. Stockfinster. Hat das was mit einem Stock zu tun? Vielleicht mit seiner Farbe? Hm, es gibt doch aber auch helle Stöcke.

Der Stock war in früheren Zeiten das Gefängnis. Es wurde nach den Holzblöcken (aha!) benannt, in denen die Füße der Inhaftierten steckten, um einer Flucht vorzubeugen. Der Gefängniswärter hieß deswegen auch Stockmann.
Stockfinster heißt also: dunkel wie im Gefängnis.

Wieder ein bisschen schlauer – und ganz froh, dass ich so einen Stock nicht von innen sehen muss.
Ich hoffe trotzdem, dass es noch einmal richtig schön warm – und hell! – wird.

Warmer Herbst im Chinesischen Garten (Berlin-Marzahn)

Ganz aus dem Häuschen (2)

Viele Glückwünsche und Komplimente erreichten mich gestern und heute bezüglich des „Blogger Marathons“ – und meines Blogs. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für so viel Engagement und positive Resonanz! Und ich bin noch immer ganz aus dem Häuschen. Da ich gestern versprochen habe zu erklären, woher denn diese Redewendung stammt, lege ich gleich mal los.

Die Bedeutung dürfte den meisten bereits klar sein: (freudig) aufgeregt sein. Ganz klar. Und woher stammt nun diese Redensart?
Diese Frage ist schnell beantwortet: Wenn damals in einem Dörfchen jemand eine ganz spannende oder aufregende Nachrich erhielt, rannte er aus seinem Haus – oder eben Häuschen – und verkündete es freudig erregt allen. Ja, und für alle anderen war dann dieser jemand eben umgangssprachlich ganz aus dem Häuschen. Das bin ich auch gleich – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: außer Haus!

Allseits einen schönen Samstag!

Ein Häuschen, in dem man mal sein möchte: „Russische Kolonie“ (Potsdam)