Archiv der Kategorie: Sport

Ballett statt Fußball?

„Ballett ist kraft- und anspruchsvoll, es ist richtig dynamisch“, schwärmt mir meine Freundin Christina bei einem Milchkaffee in unserem Garten vor. Sie ist Ballettlehrerin mit eigener Schule in Rastede bei Oldenburg. „Und das ist auch der Grund, warum Jungs hier eigentlich gut aufgehoben sind.“
Eigentlich? Die Mittvierzigerin schürzt nachdenklich die Lippen. „Weißt Du, von meinen knapp achtzig Schülern sind genau zwei männlich. Es sind Brüder, die sich beim Unterricht der Schwester ins Ballett verliebt haben.“ Der ältere der beiden tanzt mittlerweile drei Mal in der Woche: Ballett und Flamenco.
Warum machen das eigentlich so wenige Jungs? „Hierzulande gibt es leider immer noch so viele Vorurteile hinsichtlich des Jungenballetts“, erklärt Christina. Und ganz nebenbei bemerkt kann ich mir P. und K. tatsächlich nicht so richtig dabei vorstellen …

Während des Gesprächs kommt Christinas Tochter angerannt, P.s Freundin mit P. im Schlepptau. Die Fünfjährige tanzt ebenfalls seit einer Weile. Das Mädchen mit dem frechen, blonden Kurzhaarschnitt führt uns etwas vor, strahlt dabei über das ganze Gesicht wie ein Honigkuchenpferd. Dann läuft sie wieder davon. P. flitzt natürlich sofort hinterher. Und K.? Der rennt hinter P. her.
„Für Mädchen gibt es hierzulande so viele Angebote“, sagt meine Freundin. „Zum Beispiel den Girls Day. Es gilt aber auch als cool, wenn Mädchen zum Fußballtraining gehen.“ Wenn aber Jungs ihre Leidenschaft für den Tanz entdecken, sieht man überall Stirnrunzeln.“ Christina legt eine Erzählpause ein und sieht unseren drei Kids ein bisschen beim Spielen zu.

Weiter im Text. In Ländern wie Russland habe das Ballett übrigens einen ganz anderen Stellenwert. Dort sei man stolz darauf, Tänzer zu sein – ein ehrbarer Beruf wäre das. „Spätestens mit der Pubertät beginnen bei uns aber die Hänseleien“, meint Christina. „Und Ballett wirkt plötzlich irgendwie schwul.“
Was müsste denn ihrer Meinung nach getan werden, um mit diesen Vorurteilen aufzuräumen? „Ballett hat doch nichts mit Homosexualität zu tun! Es erfordert Kraft, es werden Partnerinnen durch die Luft gewirbelt. Du kennst doch den Film ‚Billy Elliot‘: Ein Vater schickt seinen Sohn zum Boxen, doch der geht heimlich tanzen und schafft es auf eine renommierte Akademie. Dieser Film jedenfalls zeigt dynamische Bewegungen, genau die gilt es herauszukehren … Schau Dir doch mal Videoaufzeichnungen vom ehemaligen Balletttänzer Mikhail Baryshnikov an; was konnte der damals springen!“ Sie könnte sich stundenlang darüber auslassen. Ich nippe an meinem Kaffee und bewundere sie heimlich.

Meine Freundin erzählt noch, dass sie gern zusammen mit ihren beiden Mitarbeitern eine solche Jungsballettklasse ins Leben rufen würde. „Zu Beginn, bei der tänzerischen Früherziehung, unterscheidet sich der Ballettunterricht von Mädchen und Jungen noch nicht sehr. Es werden Elemente der russischen Waganowa-Methode und der englischen Royal Academy Of Dance miteinander kombiniert. So können wir individuell auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen und sie fördern. In unseren Klassen legen wir Wert auf das Zusammenspiel von Technik, Athletik, Kreativität und Musikalität.“
Und später dann? „Ab dem siebten oder achten Lebensjahr gibt es schon so einige prägnante Unterschiede. Aber nur kurz: Hier bekommen Jungs bei uns den Raum für dynamischere und kraftvollere Bewegungsabläufe, den sie ja auch brauchen.“ Christina macht eine entsprechende starke Geste mit ihrem Arm. Schon wieder himmele ich sie an. Meine Powerfreundin mit dem feinen Herzen.

„Ich bin ein Hexenjäger!“, tönt es lauthals durch den Garten. Das Töchterchen kommt mit funkelnden Augen und zerzaustem Blondschopf angerannt, ein erhobener Stock dient ihr als Schwert. Ihre Mutter lacht herzhaft; der Stolz steht ihr ins Gesicht geschrieben.
„Da, siehste!“, Christina wird jetzt auch richtig laut. „Genau das dürfen heute alle Mädchen sein: Hexenjägerinnen, Rennfahrerinnen, Ritterinnen … Und was fehlt?“ Kurze Erzählpause, dann ein Grinsen: „Der singende, springende Prinz!“

Informationen:
Christina Bayer, Oldenburg, 0441/3044038

Auf dem Rücken der Pferde

Neulich Morgen bin ich erwacht. Klar, das passiert. Aber etwas war anders als sonst: Ich hatte einen entsetzlichen Muskelkater! Logisch, den hat man eben manchmal, wenn man Sport macht. Aber das mir!? Ich bin doch nun wirklich ein sehr sportlicher Mensch: Ich jogge ein paar Mal die Woche je eine volle Stunde durch den Wald oder über die hiesigen Felder. Ich skate, wann immer es das Wetter zulässt, mit meinen supergenialen K2-Inlinern. Ich schwimme (im Sommer im Frei- oder im Winter im Hallenbad) – und so weiter.

Echt jetzt, ich bin wirklich sportlich! In meinem Freundeskreis nennt man mich sogar „Sportskanone“. Auch, wenn ich nicht so ganz nachvollziehen kann, was ich mit einer Kanone gemeinsam haben soll … Die Power? Die Schnelligkeit? Volles Rohr Kraft? Oh. Ach so! Ja, doch. Das nehme ich gern an.

Zurück zu meinem wirklich üblen, schmerzenden Muskelkater (den ich übrigens an Stellen verspürte, von denen ich noch gar nicht wusste, dass es dort Muskeln gibt!). Was also ist geschehen? Ich drücke es mal so aus, denn so klingt es besser – und ja auch schöner: Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Ja, genau, das sagt man doch so. „Äh, was …?!“ oder auch „Wtf?!“ fragt sich jetzt die eine oder der andere. Okay, Licht ins Dunkel: Ich bin doch tatsächlich unter die Reitsportler gegangen! Neulich Abend hatte ich meine erste Stunde auf einem erstklassigen Hof.

Tja, daher der Muskelkater. Und, was soll ich noch großartig schreiben oder erklären:  Es war herrlich! Ich konnte gar nicht genug kriegen (auch, wenn ich zunächst staunte, wie hoch so ein Pferd ist beziehungsweise wie klein die Welt von dort oben ausschaut. Okay, vielleicht übertreibe ich ja aber auch – aber wenn, dann nur ein klein wenig …)

Mit meiner Stute ging ich zunächst einmal schön brav an der Longe Schritt, später trabten wir dann schon, wir beide. „Wow!“, ruft meine Reitlehrerin erstaunt aus. „Da haben wir ja ein Naturtalent!“. Und jetzt möchte sie es wissen. „Möchtest Du denn mal testweise galoppieren?“, fragt sie. „Klar!“, rufe ich selbstsicher aus. Und denke bei mir: Ach. Du. Sch. … Aber, das wird schon! Sie lässt das Pferd also rennen. OH. MEIN. G … Was für eine verdammt hoppelige Angelegenheit so ein Galopp doch ist!

Nein, das hätte ich nun nicht gedacht. Vom Boden sieht das doch so simpel und elegant aus! Die Reitlehrerin pfeift vor Begeisterung. „Echt, Du bist ein Naturtalent!“ Ich versuche zu grinsen – und mich auf dem Pferd zu halten. Mann, bin ich froh, als es vorbei ist – sage aber nur: „Geil. Das macht Spaß!“. Dann lässt sie mich noch einmal galoppieren. Manchmal sollte ich einfach meine Klappe halten.

Inzwischen bin ich fast einen Monat dabei, und ich finde, ich mache mich ganz gut – auch, wenn ich natürlich noch tausende Meilen davon entfernt bin, eine gute Reiterin zu sein. Macht gar nichts, der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.
Reitergruß!

 

Keins der beiden kann meiner Aletta das Pferdewasser reichen, aber sind diese majestätischen Tiere nicht einfach wunderschön?

 

 

 

 

 

 

Mit Spaß zum Lernerfolg

„Nichts ist schlimmer, als ein Kind beim Schwimmunterricht unter Druck zu setzen“, sagt Oliver Marschall und schüttelt den Kopf. „Damit macht man eine ganze Menge kaputt und – schlimmer noch – erreicht genau das Gegenteil: Das Kind hat Angst und möchte nicht mehr zum Kurs.“ Der geprüfte Schwimmmeister für Bäderbetriebe bringt seit zwei Jahrzehnten Kindern im Hallenbad Quakenbrück das Schwimmen bei.

„Viele Eltern möchten ihre Kleinen schon im Alter von vier Jahren zu uns bringen. Das ist aber viel zu früh, da die motorischen und mentalen Fähigkeiten dann noch gar nicht ausreichend vorhanden sind. Arme und Beine in dem noch fremden Element Wasser zu bewegen: Das geht ab sechs Jahren deutlich besser.“ Oliver Marschall weiß, wovon er spricht: Etwa 1.000 Schüler hatte er bisher – eine Zahl, auf die der gebürtige Badberger stolz ist: „Mein Beruf hat mir schon immer Freude gemacht, vor allem das Arbeiten mit Kindern.“ Und das nimmt man dem 36-Jährigen mit dem jungenhaften Grinsen sofort ab. „Mit Kindern arbeiten bedeutet auch, selbst ein Stück weit Kind zu sein, sonst wird das nichts“, lacht der passionierte Schlagzeuger und Percussionist der Badberger Sambagruppe „Landaya“.

Als Oliver Marschall gegen neun Uhr an diesem Dienstagmorgen den Nichtschwimmerbereich betritt und „seine“ 26 Kinder Augen sieht, strahlt er über das ganze Gesicht. „Diese Kinder hier machen einen Crashkurs, der zwei Wochen lang geht. Jedes Training dauert dabei eineinhalb Stunden. Es gibt aber auch Nachmittagskurse, die sich über fünf Wochen erstrecken“, erklärt er.

Die Schüler springen ins Wasser und schauen erwartungsfroh zu ihrem Lehrer hoch. Der stemmt die Arme in die Hüften. „Soll ich etwa auch ins Wasser?“, ruft Oliver Marschall. „Jaaa!“, brüllen die Kleinen im Chor. „Na, das hab ich mir gedacht!“ Und mit dem Hinterteil voran wirft sich der Schwimmlehrer ins Wasser. Die Kinder feixen. Dann wird es etwas ernster: Es folgt die erste Übung. Doch für die Kids scheint das noch immer Spaß zu sein. „Es prasseln so viele neue Eindrücke auf sie ein: ein fremder Schwimmlehrer und eine in ihren Augen riesige Halle. Erwartungsdruck ist also absolut fehl am Platz. Die Kinder sollen Freude am Lernen empfinden, das Druckwort ‚Seepferdchen‘ fällt deshalb nicht ein einziges Mal während des gesamten Kurses“, betont Oliver Marschall.

Mit dem Rücken zum Beckenrand strampeln die Kleinen jetzt kräftig mit den Beinen, dass es nur so spritzt. „Diese Übung zeigt mir, wie die Kinder damit umgehen, Wasser ins Gesicht zu bekommen – und wie weit sie mit der Beinarbeit sind – das ist ganz wichtig beim Schwimmen“, erklärt der Schwimmmeister. Er und sein Kollege Sebastian Hübner gehen zu jedem Kind und loben es oder verbessern etwas an seiner Haltung. „Jeder braucht eine ganz individuelle Behandlung, weil jeder anders ist und anders lernt. Ich lehne einheitliche Muster bei Schwimmkursen ab, denn jedes Kind soll sich frei entwickeln dürfen.“

Vor jedem Kurs sucht Oliver Marschall das persönliche Gespräch mit den Eltern, „um den Hintergrund und Charakter des Sohns oder der Tochter besser zu verstehen und entsprechend darauf einzugehen. Wenn ich den Schüler etwas besser kenne, bekommen die Eltern auch kleine Anweisungen von mir, zum Beispiel, wie zu Hause mit dem Thema Schwimmen umzugehen ist.“ Auch holt er sich regelmäßig psychologischen Rat ein, „denn das gute Zusammenspiel von Seele und Körper ist auch beim Schwimmen ganz wichtig.“

Plötzlich lacht Oliver Marschall – und erzählt die Geschichte von einem Jungen, der vor Jahren einmal bei ihm gelernt hat. „In der letzten Stunde ermunterte ich ihn, vom Dreimeterturm zu springen. Er zögerte nicht, tat es und hatte sehr viel Spaß. Ich sah danach zu seiner Mutter rüber, sie war kreidebleich im Gesicht. Ich ging zu ihr, und sie erzählte mir, dass ihr Sohn seit einem Jahr wegen Höhenangst in Therapie sei. Sie war sehr glücklich und umarmte mich.“ Oliver Marschall grinst. „Das ist eines meiner Lieblingserlebnisse, seit ich Schwimmmeister bin. Es ist klasse, etwas zu bewirken und Kindern etwas fürs Leben beizubringen.“


Oliver Marschall inmitten „seiner“ Kinder: In einem Crashkurs erlernen sie das Schwimmen.
(Dieser Artikel ist am 22. Oktober 2011 im Bersenbrücker Kreisblatt (NOZ) erschienen.)

„Familienspaß für Groß und Klein“

Es ist später Sonntagvormittag, die Sonne lacht. Im Stadion Schengbier in Quakenbrück läuft an diesem Tag die Stadtmeisterschaft im Rahmen des Holterhus-Cups.

Vier Mannschaften treten gegeneinander an: Hengelage, Hakenkamp, Altstadt und Neustadt. „Der Sieger bekommt eine Mannschaftsfeier organisiert, mit viel Bier und anderen tollen Sachen“, berichtet Thomas Kruse, einer der Veranstalter des Holterhus-Cups.

Jedes Jahr im Sommer nach Saisonabschluss gibt es Turniere – von den Minikickern bis hin zu den Alten Herren. „In den letzten Jahren konnten wir viele Mannschaften aus den Landkreisen Osnabrück, Cloppenburg, Vechta und Teilen des Emslands hier begrüßen“, so Kruse. Und weiter: „Gerade dieser bunte Mix macht den Reiz der Veranstaltung aus.“

Benannt ist die Veranstaltung nach ihrem Hauptsponsor, Jürgen Holterhus. In Quakenbrück betreibt er ein Schuhfachgeschäft. „Seit fünf Jahren gibt es jetzt den Cup, und alle Beteiligten haben jede Menge Spaß dabei“, schwärmt der sympathische Hobbyfußballer Thomas Kruse und Vater eines 15-jährigen Jungen. „Mein Sohn hat auch schon mitgekickt. Das Event ist etwas für jedes Alter.“ Thomas Kruse selbst spielt bei den Alten Herren.

Fast alle Menschen, die beim Holterhus-Cup mitwirken, arbeiten ehrenamtlich. „Für dieses Engagement sind wir sehr dankbar“, sagt der Steuerberater. Auch seine Ehefrau arbeitet mit. Auf der Tribüne gibt sie Getränke, Kuchen und Süßigkeiten aus.

„Am kommenden Sonntag wird es hier noch voller werden, da gibt es eine richtig große Fete“, sagt die brünette Frau mit dem sympathischen Lächeln. Und dann ergänzt sie: „Es wird ein Familienspaß für Klein und Groß.“

Der Gewinner des Turniers an diesem Sonntag ist die Mannschaft aus der Neustadt. Thomas Kruse ist stolz: „Für uns ist das ein gelungener Auftakt und Ansporn, im nächsten Jahr weiterzumachen – mit mehr Teilnehmern, größerem Rahmenprogramm und vielen Überraschungen.“

Der Holterhus-Cup läuft noch bis Sonntag, 3. Juli.

Informationen im Internet: www.holterhuscup.de

(c) Der Artikel ist am 28. Juni 2011 im Bersenbrücker Kreisblatt erschienen.

Kampf um den Ball – Holterhus-Cup

Über den Schatten gesprungen

Ostern ist vorbei, und es haben sich etliche Pfunde auf meinen Hüften niedergelassen. Egal, wie sanft oder hart ich mit ihnen ins Wortgefecht gehe: Von allein werden sie wohl nicht verschwinden. Es hilft alles nichts: Bewegung ist angesagt. Nicht lange überlegt und die Laufschuhe angezogen: Ich fahre zum Trimm-Dich-Pfad um die Ecke. Mal so richtig die Sportsau rauslassen. Beste Voraussetzungen habe ich ja: Es ist warm, die Luft ist angenehm.

Armkreisen, Rumpf- und Kniebeugen, Dehnübungen, Liegestütze, Balken, Hangeln und Klimmzüge: alles kein Problem! Und dann stehe ich da: vor acht circa einen Meter zehn große Hürden, über die ich jetzt seitlich springen soll. Ach du meine Nase, das sieht mir nicht nach einem leichten Unterfangen aus. Ich nehme Anlauf und – bleibe so richtig doof davor stehen. Ganz schön hoch die Dinger. Nochmal das Ganze – und nochmal. Irgendwie muss ich es doch schaffen, über meinen Schatten zu springen und mich zu überwinden!

Und noch während ich da stehe und genau das immer wieder laut zu mir sage, denke ich schon wieder darüber nach, wieso man eigentlich über seinen Schatten springen soll. Das schafft man doch nie, das ist doch absurd!

Der Schatten eines Menschen ist eng mit seinem Charakter verbunden, lese ich nach. Der „schwarze Begleiter“ spielte immer schon eine große Rolle, so auch in Märchen wie Peter Pan. Wer die Geschichte kennt, weiß, wovon ich schreibe. (Ansonsten: Wendy muss Peters Schatten an seine Fersen nähen, weil er ihn schon einmal verloren hat …)

Im wahren Leben ist es natürlich unmöglich, über seinen Schatten zu springen, doch die Symbolik dahinter ist groß: Es erfordert oft viel Überwindung, bestimmte Dinge zu tun oder Entscheidungen zu treffen. Und egal, ob es physisch unmöglich ist: Ich nehme noch einmal Anlauf und springe über meinen Schatten – und über die erste Hürde.

Bremen gegen Bayern

Samstagabend. Heute spielt Bremen gegen Bayern. Mein Süßer und ich wollen das Bundesligaspiel im „Okeh“ in der Pariser Straße sehen. Und ein paar leckere Fajitas essen.

Yeah, den besten Platz ergattert: eine riesige Leinwand vor uns und – noch – freie Sicht. Doch halt: Bluescreen. Mein Süßer ruft nach der Bedienung. Ein technisches Problem, sagt sie, aber das kriegen wir schon in den Griff. Neuer Beamer und so. Oh nein. Wir rennen durch das Lokal – auf der Suche nach weiteren Sitz- und Sehmöglichkeiten. Wah, alles reserviert.

Doch dann haben wir Glück: Im hinteren Teil der Lokalität sind noch zwei Plätze frei, direkt vor einem Plasmabildschirm. Entspannt und zufrieden setzen wir uns und schauen in die Karte. Was denn, hier gibt es keine Fajitas mehr? Ratlose Blicke. Wir überlegen kurz, uns noch schnell eine andere Location zu suchen. Anpfiff. Der Süße schaut verzweifelt. Okay, bleiben wir eben – und essen Steak. Auch keine schlechte Wahl.

Ich schaue mich in unserer Nische um. In der Ecke sitzt einer, den ich von irgendwoher kenne: schlank, blond, Dreitagebart, nettes, aber unnahbares Gesicht. Ah, das ist doch der Doktor aus dieser Daily Soap! Marienhof. Derselbe Stil wie in der Serie. Das sieht man selten. Er schaut gebannt auf den Bildschirm.

Was tut man, wenn ein Sternchen in der unmittelbaren Nähe sitzt? Es gibt zwei Möglichkeiten: Man starrt hin. Möglichkeit zwei: Man tut so, als würde man ihn ignorieren. Ich entscheide mich für letzteres – und bin froh, dass ich eine Frau bin: Ich habe diesen unverschämt guten Weitblick und beobachte ihn einfach aus den Augenwinkeln. Der Liebste schaut mich fragend an. Ich bedeute ihm, sich jetzt nicht umzudrehen. Er dreht sich um.

Als die Bayern ihre erste absolute Torchance vergeigen, fasst sich der Doktor klatschend an den Kopf: „Das kann doch nicht wahr sein!“ Ich zucke zusammen. „Ihr Flaschen!“ Der brüllt regelrecht. In seiner Rolle ist er ein für meine Begriffe unscheinbarer, stiller Typ. Schreien tut er da eigentlich nicht. Im Gegenteil: Er hat eine eher schlichtende Funktion. „Mach den doch rein, Mensch!“ Der Süße und ich schauen ihn jetzt grinsend an. Er wird doch nicht die Beherrschung verlieren? Der Doktor schaut zurück – und wird ein bisschen rot.

Der Süße und ich – wir sind für Bremen. Bei einer verpatzten Torchance schreit mein Süßer auf. Der Doktor schaut ihn an und grinst.
Ausgang des Spiels: Null zu Null.

Keine Fajitas, dafür aber leckere Cocktails

Ganz aus dem Häuschen

13:11 Uhr: So. Jetzt habe ich gewonnen und weiß gar nicht, was ich schreiben soll …
Ich bin voller Freude! Aber ich bin auch erleichtert darüber, dass es vorbei ist. (Mama, wie gut, dass Du keinen Herzinfarkt bekommen hast!)

Vor allem gestern, aber auch heute, war es ja ziemlich nervenaufreibend. Platz 2 und 3 waren harte Gegner – und ja auch Gewinner! Meinen Glückwunsch an euch zwei: SUMIT und PETER! Und ich möchte Heiko Wache für diesen spannenden Wettbewerb danken – und natürlich allen, die meinem Blog ihre Stimme gegeben haben!

Dieser Wettbewerb hat mir in allererster Linie eins gezeigt: Dass mein Blog angenommen und gemocht wird. Dass das, was ich schreibe, ankommt und vielen Spaß und Freude bereitet. DAS ist es, was mich stolz macht.

Ende der Durchsage. Ich bin immer noch ganz „aus dem Häuschen“. (Warum man das so sagt, verrate ich euch später. Heute wird das nix mehr.)

_____________

Rückblick: Freitag, 10. September, gegen 8.00 Uhr:

Wie weit ist es nur mit mir gekommen … Sehr weit! Beim „Blogger Marathon 2010“ hat mein Blog es unter die letzten 3 geschafft! Das habe ich nur meinen Lesern – also euch! – zu verdanken. Ein riesiges DANKE, dass ihr mich bis hierher gebracht habt!

Und nu? Schaffe ich vielleicht sogar den zweiten Platz? Da ich aufgeben doof finde, sollten wir es versuchen! Dazu ist jetzt aber noch mal eure geballte aktive Mithilfe gefragt (schon allein, um den Frauenanteil unter den Teilnehmern zu steigern – eine Frau, zwei Männer -! :-D)

Heute (Freitag) um 9.00 Uhr muss der dritte Blog das Rennen verlassen. Die beiden verbleibenden werden auf NULL gestellt (siehe Anleitung unten). Dann könnt ihr nochmal so richtig loslegen – wenn ihr wollt!

HIER könnt ihr für coralita.de (Startnummer 82) voten:
>>KLICK<<

Auf der Ersatzbank

16.00 Uhr. Anpfiff. Wir verfolgen den Beginn der Volleyball-Partie dort unten auf dem Spielfeld:  Der SCC Charlottenburg tritt gegen den Bundesliga-Aufsteiger RWE-Volleys-Bottrop an. Dass das nicht sehr unbequem für die Berliner werden wird, können wir uns schon jetzt ausmalen – vor allem der Süße, der kennt sich richtig aus. Immerhin war er selbst jahrelang Volleyballspieler in der Mannschaft der Universität Göttingen.

Wir sitzen in der dritten Reihe von oben. Von hier aus hat man die beste Sicht. Der Süße erklärt mir fachmännisch Strategien und nennt mir die Namen der Spieler. Sebastian Fuchs beispielsweise bleibt mir im Gedächtnis hängen: Er legt einen bemerkenswerten Auftritt hin – ganz entscheidend im Hinblick auf die so wichtigen Play-Offs!

Doch irgendwas lenkt meine Aufmerksamkeit immer wieder zu ihnen: den Ersatzspielern der Berliner. Natürlich haben die Bottroper auch welche, aber da ist vor allem er: Aleksander Spirovski. Der große Serbe erinnert mich sofort an meinen Süßen. Die gleiche wilde Lockenmähne, auch die Schulterpartien ähneln einander. Schön schön. Der Süße bemerkts und wirft mir einen grimmigen Blick zu. Ich hätte schwören können, er ist in das Spiel versunken.

Der andere Lockenmähnige trägt eine Bandage um sein rechtes Knie. Ich frage den Liebsten, warum. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: ein Sportunfall vom letzten Jahr ist die Ursache. Er muss sich noch schonen. Der Arme.  Das wird ihm sicher nicht gefallen. Er soll ein Spitzensportler sein. Nun steht er am Spielfeldrand und macht ein paar Lockerungs- und Aufwärmübungen. Er kreist abwechselnd den linken und dann wieder den rechten Arm – erst im und dann entgegen dem Uhrzeigersinn. Sieht schon echt locker aus, da kann man wirklich nichts sagen.

Auf jeden Fall muss man sich beschäftigen auf der Ersatzbank, denke ich mir. Ich würde mich entsetzlich langweilen. Sitzen ist nicht drin, auch wenn es „Bank“ heißt, sonst beginnt man sicher schnell zu frieren hier. Ich ziehe meine Jacke an. Kühl ist wohl auch ihm: Ein Ersatzbanknachbar Spirovskis beginnt, recht unbeteiligt leicht auf und nieder zu hüpfen. Man kann gar nicht anders als hinsehen.

So sehr ich mich bemühe, mein Hauptaugenmerk auf das Spiel zu lenken, meine Blick driften immer wieder ab. Seine dunklen Haare wippen auf und nieder. Mit seinem länglichen Gesicht schaut er abwechselnd zur rechten, dann zur linken Tribühne. Und irgendwann hat er mich entdeckt. Er sieht, dass ich ihn sehe. Schnell schaue ich weg, er soll sich ja nicht beobachtet fühlen. Doch zu spät: Seine Hüpfaktivitäten nehmen zu. Jetzt erst recht, wird er sich wohl denken. Und dann beginnt er auch schon mit dem Dauerlauf an der Seite des Spielfelds. Spirovski macht mit. Nun rennen sie fast, ganz voller Elan …

„Jaaaaa!“ Mit seinen Jubelschreien lässt mich der Süße hochschrecken. Wie, schon vorbei? Ist das Spiel schon zuende? Ja. Ich habe da wohl was nicht mitgekriegt: Unsere Berliner siegen völlig unangestrengt mit 3:0 (25:19, 26:24, 25:23) gegen Bottrop. Völlig angestrengt hingegen scheinen mir die Ersatzmänner zu sein: Sie sitzen halb zusammengesunken wie nasse Säcke auf der Bank. Als wir gehen, werfe ich ihnen ein ermunterndes Lächeln zu.

Eisbein … Beinhart … Hartnäckig.

(Foto: Anna-Maria Polaszewski)

Zwölf Uhr mittags. Es ist kalt. Aber so richtig. Na, macht ja nichts. Ich bin total warm eingepackt: Pullover, noch ein Pullover und darüber noch einer – mit Kapuze. Schal drum, Mütze auf, Kapuze über Mütze. Handschuhe an – und gut is. Und ganz wichtig: Ohrstöpsel für die synthetische Musik – essentiell wichtig für die Motivation heute. Und genau die brauche ich bei diesem Wetter.

Ich gehe jetzt nämlich joggen! Ja wirklich. Bei gefühlten minus 20 Grad. Ich frage mich, ob ich wahnsinnig bin. Als ich aus der Haustür trete, pfeift der Wind durch meine Laufeschuhe und zwei paar Socken. Ich bin wahnsinnig. Dies ist eigentlich der Moment, in dem ich zurück in mein Bett möchte. Nichts da, ich schaffe das schon. Aber das heute, das ist eindeutig Laufrekord bei Kälte – wenn ich durchhalte.

Die ersten Schritte sind getan: Ich befinde mich nun am Eingang des Schlossparks Charlottenburg in. Ich passiere die Unterführung der Schlossbrücke – und bin da. Alles weiß. Herrlich sieht das aus. Alles glatt. Gefällt mir weniger. Ein paarmal schlittere ich auf dem Eis herum, das sich auf den Wegen gebildet hat. Doch schon bald habe ich mich an meinen leicht veränderten RutschLaufstil gewöhnt.

Drei Runden (à drei Komma fünf Kilometer) muss ich laufen, dann habe ich mein Soll erfüllt. Nach etwa vier endlosen Kilometern kommt mir der erste Läufer entgegen. Ich freue mich, Leben hier draußen zu sehen und grinse ihn an. Ernten tue ich nur einen grimmigen Blick. Seine Nase ist knallrot, seine Hände sind eingepackt in dicke, schwarze Fäustlinge. Seinen Mund kann ich nicht sehen: Er hat den Schal einmal horizontal um sein Gesicht gewunden. Die zweite Runde habe ich jetzt auch fast geschafft. Meinem Mitläufer bin ich nicht wieder begegnet. Womöglich hat er es aufgegeben. Ich kann das gut verstehen.

Ein mittelgroßes Flockentreiben setzt ein. Kehre ich um oder laufe ich die dritte Runde noch zuende? Ein Eichhörnchen läuft mir über den Weg, schaut mich an wie ein Auto mit seinen Strahlern die Dunkelheit und flitzt davon. Was für ein Tempo! Was Du kannst, kann ich auch, denke ich – und entscheide mich, die Sache hier zuende zu bringen. Meine Oberschenkel haben angefangen zu Brennen. Da gewinnt doch der Begriff „Eisbein“ eine ganz andere Bedeutung. Grinsend überlege ich, beim nächsten Mal doch eine Strumpfhose zu tragen.

Unterwegs im Gyrokopter

Was ist denn nun schon wieder ein Gyrokopter? Ist das ein Heli, der Gyros liefert? Nein, leider nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass diese Vorstellung verlockend ist … Ein Gyrokopter ist eine Art Tragschrauber. Das wird ja immer bunter. Nun ja, wie komme ich aus dieser Nummer wieder heraus? Richtig, Wikipedia. 🙂

Wie dem auch sei: Mein Süßer jedenfalls fliegt so ein Ding.
Guckstu hier: