Archiv der Kategorie: Neu hinzugefügt

Ganz aus dem Häuschen

13:11 Uhr: So. Jetzt habe ich gewonnen und weiß gar nicht, was ich schreiben soll …
Ich bin voller Freude! Aber ich bin auch erleichtert darüber, dass es vorbei ist. (Mama, wie gut, dass Du keinen Herzinfarkt bekommen hast!)

Vor allem gestern, aber auch heute, war es ja ziemlich nervenaufreibend. Platz 2 und 3 waren harte Gegner – und ja auch Gewinner! Meinen Glückwunsch an euch zwei: SUMIT und PETER! Und ich möchte Heiko Wache für diesen spannenden Wettbewerb danken – und natürlich allen, die meinem Blog ihre Stimme gegeben haben!

Dieser Wettbewerb hat mir in allererster Linie eins gezeigt: Dass mein Blog angenommen und gemocht wird. Dass das, was ich schreibe, ankommt und vielen Spaß und Freude bereitet. DAS ist es, was mich stolz macht.

Ende der Durchsage. Ich bin immer noch ganz „aus dem Häuschen“. (Warum man das so sagt, verrate ich euch später. Heute wird das nix mehr.)

_____________

Rückblick: Freitag, 10. September, gegen 8.00 Uhr:

Wie weit ist es nur mit mir gekommen … Sehr weit! Beim „Blogger Marathon 2010“ hat mein Blog es unter die letzten 3 geschafft! Das habe ich nur meinen Lesern – also euch! – zu verdanken. Ein riesiges DANKE, dass ihr mich bis hierher gebracht habt!

Und nu? Schaffe ich vielleicht sogar den zweiten Platz? Da ich aufgeben doof finde, sollten wir es versuchen! Dazu ist jetzt aber noch mal eure geballte aktive Mithilfe gefragt (schon allein, um den Frauenanteil unter den Teilnehmern zu steigern – eine Frau, zwei Männer -! :-D)

Heute (Freitag) um 9.00 Uhr muss der dritte Blog das Rennen verlassen. Die beiden verbleibenden werden auf NULL gestellt (siehe Anleitung unten). Dann könnt ihr nochmal so richtig loslegen – wenn ihr wollt!

HIER könnt ihr für coralita.de (Startnummer 82) voten:
>>KLICK<<

Feige Ohrfeige

Hua. Nass draußen – und ziemlich kalt. Der Herbst hält Einzug. Die ersten Blätter sind zu Boden gefallen, die Abende kürzer geworden. Doch ich gebe die Hoffnung auf einen schönen Spätsommer noch nicht auf. Immerhin haben wir noch den halben September und den ganzen Oktober. Und letzterer dürfte ja wohl mal gülden werden. Wenigstens ein paar Tage lang. Trotz des Regens schlüpfe ich in meine Joggingschuhe und mache mich auf in den Schlosspark Charlottenburg. Keine Menschenseele unterwegs. Ich liebe das.

Die zweite Runde ist geschafft. Frische Luft und Bewegung tun gut. Eine Frau um die 30 und ein kleiner Junge kommen mir aus einiger Entfernung entgegen. Der süße Bengel hüpft ausgelassen auf und nieder, immer wieder. Die Frau schaut missmutig drein, und irgendwann reicht es ihr: Sie gibt dem Jungen – vermutlich ihr Sohn – eine Ohrfeige. Im Vorbeijoggen werfe ich ihr einen vorwurfsvollen Blick zu. Ohrfeigen finde ich doof, sogar richtig feige …

Ohrfeige. Was ist das eigentlich wieder für ein merk- und denkwürdiges Wort? Hat das vielleicht sogar etwas mit feige zu tun? Oder mit der gleichnamige Frucht? Vielleicht hat Friedrich Schiller in Kabale und Liebe ( „Ohrfeig um Ohrfeig – das ist so Tax bei uns – Halten zu Gnaden.“) ja wirklich an Feigen gedacht, die ihn an die  Schwellung erinnerten, die eine Ohrfeige auslöst. Vielleicht ist das jetzt aber auch zu weit hergeholt. Eine andere Erklärung: Die Ohrfeige kommt vom Fegen im Sinn einer ausholenden Bewegung. Ja, das ergibt einen Sinn für mich.

Und die Backpfeife? Ist mit der Ohrfeige verwandt: Pfeife ist anscheinend eine Umdeutung der Feige. Eigentlich müsste es also heißen: Backfeige. Dieses Wort erinnert mich an frisch gebackenen Kuchen: wohl duftend, weich und lecker. Ich habe Appetit bekommen … richtige Esslust…
Innerlich ohrfeige ich mich selbst. Eine Runde muss ich noch.

Herumtollender Junge

Der Zug ist abgefahren

Freitagmittag, 12.00 Uhr. Berlin Hauptbahnhof. Von hier aus startet meine Reise in den wunderschönen Norden, genauer gesagt: nach Bremen. In Hannover muss ich einmal umsteigen – in den Zug nach Norddeich Mole. Voller Vorfreude stehe ich am Gleis und warte auf meine Bahn.

„Der Zug [blabla] über Hannover [blablablaaa] verspätet sich um voraussichtlich zehn Minuten.“
War ja klar. Ich verdrehe die Augen. Naja, ist ja nichts Neues. Ich setze mich wieder – und warte weiter. Was kann ich auch anderes tun? Essen! Ich krame mein Sushi To Go aus der Tasche und mache es mir gemütlich. Gerade als ich meinen ersten Bissen zu mir nehmen möchte – er ist bereits mit Wasabi und Sojasauce präpariert -, fährt der Zug ein. Er hat doch nur zwei Minuten Verspätung. Ich seufze laut, ein älterer Herr neben mir hat die Szenerie beobachtet. Er lacht auf. „Na, dann essen Sie eben in Ruhe im Zug. Ist doch eh bequemer.“

In Ruhe. Ruhig ist es nicht im Zug. Bequem? Alles andere als das: Der InterCity ist total überfüllt. Und dann auch noch eine Schulklasse mit Teenagern um die 15 Jahre. Ich gehe von Waggon zu Waggon und suche nach Schildern mit der bekannten Aufschrift: ggf. freigeben.
Ich habe einen Platz gefunden, lasse mich nieder und warte beklemmt auf eine Stimme, die sagt: „Leider müssen Sie aufstehen, das ist mein Platz.“ Ich werde dann einfach sagen: „Mach mal die Augen zu, dann siehst Du, was Dir gehört!“ Ich grinse vor mich hin. Ein Junge um die 20 setzt sich neben mich. „Ist hier noch frei?“, fragt er erst dann. Ich grinse weiter – wenn ich schon mal dabei bin. Ich nicke. „Na jetzt nicht mehr.“

„Das da ist leider mein Platz“, sagt sie, deutet auf mich beziehungsweise meinen Sitz und schaut ein bisschen bedröppelt. Der rothaarigen Dame mittleren Alters ist es offensichtlich unangenehm, mich vertreiben zu müssen. Ja, mir jetzt aber auch! Die geplante Antwort für diesen Fall verklemme ich mir aber doch.
„Lass mal, ich geh schon“, sagt der junge Kerl neben mir. „Du warst zuerst hier.“
„Ja, aber Du sitzt ja nicht auf dem falschen Platz …“ Ich stehe auf.
„Egal. Ich such mal meine Jungs.“ Weg ist er.

Die Rothaarige ist sehr neugierig und fragt mich Löcher in den Bauch. Wohin ich denn fahre, woher ich denn komme, was ich denn so mache. Und das, obwohl ich ein Buch vor mir habe.
„Entschuldigen Sie, ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich würde jetzt gern etwas lesen.“ Ich zeige offensiver auf mein Buch.
Sie schaut mich entsetzt an, dann schaut sie eingeschnappt weg – und redet nicht ein einziges Wort mehr mit mir. Jetzt bin ich entspannt.

Hannover Hauptbahnhof! In fünf Minuten geht es mit dem Anschlusszug weiter nach Bremen. Mensch, das läuft ja doch ganz gut.
„Der Zug [blabla] nach Norddeich Mole über Bremen [blaaaa] hat voraussichtlich zehn Minuten Verspätung.“ Na bravo. Nicht zu fassen. Ich setze mich in Ruhe auf eine Bank am Bahnsteig, lese und esse endlich mein Sushi. Lecker! Das entschädigt für die dauernden Verspätungen.

Als nach drei Minuten langsam ein Zug an mir vorbeifährt, schaue ich auf.  Norddeich Mole. Aha. Norddeich Mole!? Aaah! Das ist doch – mein Zug! War er wohl doch pünktlich … Ich ärgere mich kurz, dann gehe ich zum Abfahrtsplan und sehe eine Verbindung, die fünfzehn Minuten später geht. Mit dem ICE. Das ist meine, und die krieg ich – koste es, was es wolle!

Es kostet nichts: Nachdem ich mich im ICE lautstark über die Deutsche Bahn beschwert habe, muss ich keinen Zuschlag zahlen. Ich schließe die Augen, innerhalb von wenigen Minuten schlafe ich ein. Reisen ist anstrengend.

Bremen Hauptbahnhof. Geschafft! Am Kiosk kaufe ich mir noch schnell den neuen SPIEGEL. Auf dem Cover zu sehen: Thilo Sarrazin. Der arabische Verkäufer schaut mich grinsend an. „Völlig übertrieben, was die Medien da draus machen. Die Deutschen nehmen alles viel zu ernst.“

Ich verlasse den Bahnhof. Endlich am Ziel.