Von der 3a in die 3a: So meisterten wir den Grundschulwechsel

Nach dem Umzug von der Stadt raus aufs Land, musste der kleine Sohn unserer Autorin Anja ziemlich plötzlich die Schule wechseln. Wie sie das als Familie gemeinsam geschafft haben – und warum jetzt alle glücklicher damit sind – verrät sie uns hier.

Ganz schön plötzlich

Hilfe! Es ist mehr oder weniger unumgänglich: Nach unserem Umzug von der Großstadt aufs Land vor etwas über zwei Monaten muss unser Achtjähriger plötzlich in nicht einmal zwei Wochen, mit Beginn des zweiten Halbjahres nämlich, doch schon die Schule wechseln. Viel schneller als befürchtet.
Der arme Kerl, denke ich. Erst musste er seine gewohnte Umgebung zurücklassen – und jetzt auch noch seine Mitschüler? Großer Wermutstropfen: Wir leben nicht weit weg entfernt von unser alten „Heimat“, nur etwa 30 Kilometer … Wir kriegen das schon hin. Schritt für Schritt.

Lügen? Nein, danke …

Es ist Freitagmittag. Ich fahre in die Stadt, um P. von der Schule abzuholen. 25 Minuten Zeit zum Nachdenken für mich. Vor etwa einer Stunde kam der Anruf der neuen Grundschulrektorin. Sie teilte mir mit, unserem Antrag auf Verbleib auf der alten Schule könne „nicht so einfach“ entsprochen werden. Seitdem denke ich darüber nach, welche Hebel ich in Bewegung setzen könnte, um einen Wechsel zu verhindern.

Ich weiß: Es gibt da so einige „Tricks“, die man anwenden könnte. Aber: Welche Werte würden wir Eltern unserem Kind vermitteln, griffen wir auf Flunkereien oder gar gröbere Lügen zurück? P.s Papa ist ganz meiner Meinung.

„Ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen soll …“

Ich parke und nehme meinen Drittklässler am Schultor in Empfang. Freudiger Hopserlauf bei ihm. Beim Einsteigen ins Auto sage ich ihm, dass ich leider Nachrichten hätte, die traurig, aber auch schön zugleich seien – und, dass ich nicht so recht weiß, wie ich es ihm sagen soll …

„Raus damit, Mama!“ Ein ernster Blick aus braunen Kulleraugen. Ich erzähle es ihm kindgerecht; seine Augen werden feucht, und er gibt mir zu verstehen, dass er das „so richtig blöd“ findet. Ja, ich auch.

Wir halten kurzerhand bei einem Imbiss, essen Pommes mit Ketchup, trinken Apfelsaft und reden. Wir überlegen gemeinsam dies und das, malen uns Dinge aus. P. wirkt beruhigter, als ich ihm erkläre, dass er seine Kumpels ja nach wie vor regelmäßig privat und beim Taekwondo sehen wird. Und seine liebe Klassenlehrerin werde ich fragen, ob wir sie einmal besuchen dürfen. (Sie wird übrigens später freudig einwilligen …)

„Coole Schule“

Vor der Jahreswende waren wir glücklicherweise bereits ein paar Mal zum Bolzen, Körbewerfen und Spielen auf dem Hof der neuen Grundschule. Ich erinnere mich, wie P. einmal zu mir sagte: „Mama, das ist eine ziemlich coole Schule. Hier wäre ich gern mit meinen Freunden.“

Zurück in die Gegenwart. In der Facebook-Gruppe unseres neuen Heimatortes frage ich nach, ob es dort Eltern gibt, deren Kids die hiesige Grundschule besuchen. Ich habe Glück, und es melden sich sogar etliche Menschen. Ich darf Fragen stellen, bekomme – natürlich umsonst und ungefragt – auch „Informationen“ über Lehrer, „bestimmte“ Schüler und deren Eltern.

„Frau H. ist toll!“

Ein paar Tage später: P. ist gut „angekommen“. Er erzählt, dass es zwei Kinder an der gesamten Schule gibt, die seinen Vornamen tragen. Und der andere sei sogar in seiner Klasse! Findet er „saucool“. Und er schwärmt von seiner neuen Klassenlehrerin.

Recht hat er, ich durfte sie beim Hinbringen am ersten Schultag bereits in Augenschein nehmen: Pudelmütze, Strickschal, Wollmantel, Leggings, gefütterte Chucks bis zur Wadenmitte.

Sie ist Anfang Dreißig, wirkt frisch und frech. Auf den ersten Blick also „genau meins“. Während unserer ersten Begegnung fragte mich Frau H. heiter, welche Noten denn auf P.s Zeugnis stünden. Ich so: „Gute bis befriedigende.“ Und sie so: „Prima!“ Im Ernst: Ich liebe sie jetzt schon.

Neue Freunde und ein Frühlingsfest

Zwei Monate später; es ist jetzt Anfang März. P. kommt aus der Schule, wir essen und reden über den Unterricht, aktuelle Geschehnisse. Scheinbar beiläufig frage ich: „Vermisst Du eigentlich Deine alte Schule noch sehr?“ Mein tapferer Drittklässler schüttelt den Kopf. „Mama, jetzt habe ich hier doch auch schon Freunde gefunden.“ Vor allem der Nachbarsjunge sei sehr wichtig für ihn geworden. P. zuckt mit den Schultern. „Den würde ich jetzt sehr vermissen.“

Spontan kommt uns eine feine Idee: Nächsten Monat wollen wir ein kleines Fest veranstalten, mit dem wir Frühjahr und Freundschaft feiern wollen: mit tollen Spielen, leckerem Essen – und jeder Menge Freude.

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