Archiv der Kategorie: Kultur

„An“ oder „zu“ oder „auf“ Ostern?

Was ich zu Ostern mache, fragt mich eine Freundin. Wenig später fragt jemand anders, was ich denn an Ostern unternehmen würde.
Ich bin ganz verwirrt: Welche Präposition ist nun eigentlich die richtige?

Bastian Sick klärt mich auf: Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, aus welcher Region der Fragesteller stammt. Während man im Norden Deutschlands zu verwendet, gebraucht man im Süden eher an. Und dazwischen? Kommt auch noch auf vor. Das klingt ja nun wirklich reichlich seltsam: auf Ostern! Dann lieber gar keine Präposition. Und recht habe ich! Das ist auch die Empfehlung des Standards.

In diesem Sinne: Ich wünsche allen ein schönes Fest – und Ostern keinen Stress!

Ostern gern gesehen: der Hase.

Frohes Fest – und einen guten Rutsch!

Das Jahr geht in schnellen Schritten auf sein Ende zu. Morgen ist bereits Heiligabend, und es wird wieder heiß, fettig – aber vor allem lecker! – gegessen. Geschenkpapier wird in Massen zerrissen oder zerknüllt. Na, und der eine oder andere freut sich auch über sein Geschenk.

Wie auch immer sich für euch das Weihnachtsfest gestalten wird: Ich wünsche allen von Herzen wunderschöne, harmonische und besinnliche Weihnachten sowie einen gesunden und glücklichen Rutsch in das Jahr 2011!

Doch bevor ich mich für dieses Jahr aus meinem Blog verabschiede, will ich es noch einmal wissen: Warum wünscht man einen „Guten Rutsch“? Wenn man jemandem bei diesem Wetter etwas gar nicht wünscht, dann ist es ja wohl, sich auf die Nase zu legen!

Hier kommt die Aufklärung: Der Gute Rutsch zu Silvester kommt aus dem Hebräischen. Rosch bedeutet soviel wie Anfang. Einen Guten Rutsch wünschen heißt also, einen guten Start wünschen – und zwar ins neue Jahr! Eine andere Deutung geht auf das persische No Ruz zurück. Das bedeutet neuer Tag.

Egal wie: Kommt gut rein!

Allein unter „Oldies“

Ich erwarte wirklich das Schlimmste: eng aneinander gedrängte Menschen, grölende Twentys, besoffene Thirtys. Und dabei hätte ich es eigentlich besser wissen müssen: Supertramp kennt nicht jeder – und schon gar nicht in meinem Alter. Als ich ihr am Wochenende von dem bevorstehenden Konzert berichtete, schaute mich eine Freundin fragend an. Und dann: „Wer bitte? Wer ist denn Supertramp?“

Mein Süßer und ich betreten die O2 World Arena. Wir schauen uns um – und dann uns gegenseitig verwirrt an: Sitzplätze, wohin das Auge blickt. Nichts mit Stehen, Gedränge und Gegröle. Freundliche Platzanweiser, keine überlangen Schlangen an den Bier- und Imbissständen. Gediegen. Ja, es geht gediegen zu hier.

Und betrunken scheint auch nur mein ältlicher Sitznachbar zu sein. Jedenfalls riecht er stark nach Bier – oder riecht nach Starkbier. Wie mans nimmt. Seine etwa 40-jährige Freundin hängt mehr in den Sitzen als dass sie sitzt. Oh je. Die haben sich ja mächtig vorgefreut.

Es geht los. Keine Vorband. Ganz nahtlos. Volles Programm auf einen Schlag. Die Musiker sind großartig. Ich bin berührt, kannte ich sie doch bisher nur von CD. Alle sind sie älter als mein Vater, vermute ich. Ich schaue mich genauer um. Was ich sehe, ist faszinierend: Weit und breit kein anderer Mensch um die 20 oder 30.

Und dieses Strahlen in den Augen des Publikums! Woran sie wohl denken? Ich stelle sie mir allesamt abrockend zu Supertramp in den 80ern vor. Das gab bestimmt ein ziemlich cooles Bild ab. Mein Liebster ahnt sicher, woran ich denke und grinst mich an. Vielleicht hat er gerade das Gleiche gedacht.

Die „Oldies“ wippen und klatschen, aber niemand steht auf. Oder traut sich, aufzustehen. Aber ich sehe an ihren Gesichtern, dass sie es ganz unbedingt wollen.
„Det is echt ’ne Schande, dass man jezwungen is, zu sitzen, wa?“ Mein betrunkener Sitznachbar mir zur Linken hibbelt mächtig rum. Bei Take The Long Way Home steht er endlich auf und tanzt los. Wie ein Wilder. Ein paar andere machen es ihm nach. Der Liebste und ich machen mit. Die Musik ist wirklich zu gut, um sie im Sitzen zu genießen.

Mein Sitznachbar pfeift schrill, es geht mir direkt ins Ohr. Ich schaue vielleicht ein bisschen zu mahnend zu ihm rüber.
“Sorry ey. Ick find‘ die so jut. Ick hör die jetz schon seit 30 Jahre. Die Jungs sind einfach so jut! Ick war schon auf 15 Konzerte.” Er strahlt bis über beide Augen. Ja, die glänzen richtig. Ich lächele und pfeife endlich mit. Er schaut beeindruckt. „Na siehte, jeht doch!“

Das Konzert neigt sich dem Ende entgegen. Die “Jungs” verschwinden von der Bühne.
„Wie, wars das schon?“ entfährt es mir.
“Nee”, sagt der Nachbar, als er meine Enttäuschung sieht, “da jeht noch wat. Die ham noch nich Dreamer und Crime Of The Century jespielt. Dit fehlt noch – mindestens!” Ach so. Das beruhigt mich. Ich habe diese Band noch nie live spielen sehen und hören. Einfach stark, was die abliefern. Ich will mehr davon!

Auf Dreamer folgt tatsächlich Crime Of The Century. Aber es bleibt gesittet. Bis zum Ende. Einzig ein paar mehr Leute sind aufgestanden und tanzen.

Und dann beschleicht mich ein klitzekleiner und durchaus nicht unangenehmer Gedanke: Ich finde es gut, kein Bier in den Haaren zu haben und keine Schokolade am Ärmel. Ich glaube, ich bin ein bisschen älter geworden. Und irgendwie liebe ich das.

Handyfoto: SUPER Supertramp

ART en Vogue – Kunst trifft Mode

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(c) Life & Images

Am 8. Mai 2010 fand im Kurhaus in Rostock-Warnemünde zum zweiten Mal das Modenschau-Event “ART en Vogue – Kunst trifft Mode.” statt. Die Veranstaltung beschreibt „die Verschmelzung, das Zusammenwirken und die Abhängigkeit von Kunst und Mode“ (ART en Vogue). Abgerundet wird das Ereignis mit Feuerkünstlern und Akrobaten.

Schön und modisch, aber: Was hat das mit mir zu tun? Ich bin Teil des Teams von Life & Images. Das Medienunternehmen hat das oben vorgestellte Video produziert. Ich war also live dabei. 🙂

ART en Vogue

Am 8. Mai 2010 fand im Kurhaus in Rostock-Warnemünde zum zweiten Mal das Modenschau-Event „ART en Vogue – Kunst trifft Mode.“ statt.

Die jährlich im Mai stattfindende Veranstaltung beschreibt die Verschmelzung, das Zusammenwirken und die Abhängigkeit von Kunst und Mode. Abgerundet wird das Ereignis mit Feuerkünstlern und Akrobaten.

Mit dabei: Life & Images – in voller Aktion. 😉

Ein Musikstück, das während der Modenschau lief, hat mich als Ennio Morricone-Fan besonders begeistert.

Schwerkraft

Sonntag, 19.30 Uhr. Der Kinosaal ist voll bis auf den letzten Platz. Doch mein Freund Jan und ich – wir haben einen ergattert. Die 60. Berlinale zeigt heute Abend unter der Regie von Maximilian Erlenwein in der Sektion „German Cinema“ die Geschichte von Frederik Feinermann – von einem, der auszog, das Gaunern zu lernen. Der Titel des Films: Schwerkraft. Passt, denke ich mir und bin gespannt. Immerhin hat der erst 34 Jahre junge Berliner Regisseur mit dem Film den 31. Max Phüls Preis gewonnen. Die 30er – anscheinend bescheren sie ihm Glück. Doch nun: Mal sehen, ob er den Preis verdient hat. Der rote Vorhang geht auf – der Film beginnt.

Gezeigt wird gleich zu Anfang – richtig – Frederik Feinermann (Fabian Hinrichs) – und zwar im eindringlichen Close-Up. Gleich passiert was. Das sehe ich genau. Der sehr erfolgreiche Bankangestellte sitzt in seinem Büro und spricht mit einem Kunden. Dieser erfährt jetzt, dass sein Kredit gesperrt wird – und gibt sich die Kugel. Direkt vor Frederik Feinermanns Augen. Blut überall, auf dem weißen Hemd des Bankangestellten. Starre und geweitete Augen. Der Chef heuchelt Verständnis – doch in dessen Ohren klingeln weiterhin Euromünzen. Kein Gespür für das Unglück des Mitarbeiters. Ein lang ausgetauschter Blick. Das wars für heute – Feierabend. Kein guter Tag für Frederik.

Man sieht Frederik Feinermann in ein CD-Geschäft gehen. Kurz darauf ist er im Begriff, eine Scheibe zu stehlen. Gesehen wird er dabei von seinem alten Kumpel, dem Ex-Knacki Vince Holland (Jürgen Vogel – in seiner Rolle gewohnt genial). Den hat er lange nicht gesehen – eine Begegnung mit schwerwiegenden Folgen, wie sich herausstellen wird.

Am Abend sieht man Frederik in gewohnter Manier seiner unwissenden Jugendliebe Nadine (Nora von Waldstätten) hinterherspionieren. Die weiß nichts davon. Gänsehauterregend. So etwas möchte man vielleicht auch gar nicht wissen. Hier tut er mir schon zum zweiten Mal innerhalb der ersten halben Stunde seit Filmbeginn Leid, der sympathische Fred. Dann fährt er nach Hause – ganz allein.

Frederik hat die Nase voll von seinem biederen, unangestrengten, langweiligen Bankerleben. Er sucht Vince auf und begibt sich dessen Lehre, um ein eingefleischter und ganz skrupelloser Gangster zu werden. Frederik lernt schnell. Er scheint an dieser neuen Arbeit Gefallen zu finden. Zusammen brechen und knacken sie auf, rauben und plündern, was das Zeug hält – Frederik inzwischen ein regelrechter Musterschüler. Doch die unerfüllte Liebe zu Nadine ist es, die Frederik nachts nicht schlafen und dumme Dinge tun lässt. Wirklich dumme Dinge …

Schnitt.
Mehr verraten kann und will ich an dieser Stelle gar nicht. Selbst anschauen sollte man ihn sich. Und das kann man ab dem 25. März: Da nämlich kommt er hierzulande in die Kinos.

Im Anschluss an Schwerkraft zeigt sich ein Teil der Mitwirkenden auf der Bühne. Ein (ge-)wichtiger Mann tritt zurück, um sich nun neuen Aufgaben woanders zu widmen. Das Team ist traurig, es werden viele Fotos gemacht. Aus beruflichem Interesse beobachte ich die zugegeben bildhübsche junge Fotografin mit Zopf und einem Kleid, das ein wenig ausschaut wie ein Tütü. Um ihren Hals hängen zwei riesige Kameras – ich tippe auf Nikon. An der einen hängt ein Tele, an der anderen ein gutes Weitwinkel.

Es wird schwadroniert, gedankt, geschmeichelt, verabschiedet und ein Hinter-den-Kulissen-Team-Film gezeigt. Er dauert eindeutig zu lang. 20 Minuten „Jetzt bin ich dran“ (jeder möchte sich von dem Mann verabschieden) und „Wir sind so stolz auf Dich“ (ganz bestimmt) lassen die nicht eingeweihten Zuschauer schnell das Weite suchen. Doch mein Freund Jan und ich – wir bleiben bis zum Schluss. Da sind wir eisern – immerhin ist nur einmal im Jahr Berlinale.

In einer der letzten Minuten muss ich wohl eingeschlafen sein, sagt zumindest Jan. Ich witzele, dass mich da wohl die Schwerkraft überfraut hat. Schade nur, dass ich mich daran nicht mehr erinnern kann.

Hach, Berlinale ist schön – und jetzt auch schon wieder vorbei.

Milch des Leids

Zum ersten Mal seit ich in Berlin lebe, hat es mich erwischt, das Berlinale-Fieber. Es handelt sich zwar lediglich um eine leicht erhöhte Temperatur (ich habe bisher zwei Filme gesehen), dennoch: Ein Drama wird wohl noch eine ganze Weile in mir nachklingen.

In der peruanisch-spanischen Koproduktion „La teta asustada“ (deutscher Titel: „Milch des Leids“, wörtliche Übersetzung: „Die verängstigte Brust“) verarbeitet die Regisseurin Claudia Llosa die bedrückenden Erinnerungen an eine Zeit, in der terroristische Kämpfe in ihrem Heimatland Peru an der Tagesordnung standen. Unzähligen Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt – so auch die Mutter der jungen Filmprotagonistin Fausta, die die Erlebnisse gewissermaßen hautnah miterlebte: im Leib ihrer Mutter.

Fausta wird in einen immer größer werdenden Sog aus Verwirrung, Angst und Verzweiflung gezogen, nachdem ihre alte Mutter verstirbt. Aus Angst, ebenfalls missbraucht zu werden, hat sie sich noch zu deren Lebzeiten eine Kartoffel in den Unterleib gesteckt. Dies verursacht ihr permanent Schmerzen.

Da sie zudem noch unter zeitweiligem Nasenbluten leidet, begleitet ihr Onkel sie in eine Klinik und schildert dem Arzt, Fausta leide unter der „Milch des Leids“, einer Krankheit, bei der die Nöte der Mutter der Tochter gewissermaßen mit der Muttermilch übertragen wurden. Mit einer Routine-OP würde ihr rasch Linderung widerfahren. Doch aus Angst beschließt Fausta, den Schmerz als Teil ihres Lebens zu dulden und zu akzeptieren, denn er ist nichts im Vergleich zu ihrem größten Schmerz, der für die Augen unsichtbar ist: Die Angst, die in ihrem Herzen steckt.

Ihre einzige Zuflucht ist die Musik. Wann immer sie sich unbeobachtet fühlt, singt Fausta traurige Lieder, die sie zusammen mit ihrer Mutter gesungen hat. Sie handeln allesamt von einer unbarmherzigen Vergangenheit.

Um die Überführung des Leichnams ihrer Mutter in das Heimatdorf bezahlen zu können, muss Fausta hart arbeiten. Als sie bei einer Konzertpianistin eine Stelle als Hausmädchen antritt, scheint sich die Verwirrung des Mädchens peu à peu zu legen.

Der Zuschauer gewinnt den Eindruck, dass alte Wunden heilen werden und sich eine Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen entwickelt. Dies zeichnet sich unter anderem dadurch ab, dass es eine Art Pakt zwischen beiden gibt: Nachdem der reichen Frau auf den Fliesen des Bads eine Perlenkette zu Bruch geht, soll der scheuen Fausta mit jedem Lied, das sie für die Hausherrin singt, eine Perle zugesprochen werden. Auch der Gärtner der Konzertpianistin wird zu einem weiteren kleinen Lichtblick in Faustas Leben.

Eines der Lieder Faustas kann die Pianistin auf einem Konzert in einer Weise umsetzen, die das Publikum verzaubert. Tosender Applaus, und der Erfolg der reifen ist nun ebenfalls Erfolg der jungen Frau. Auch die letzte Perle gehört nun Fausta. Doch die Pianistin wirft Fausta unerwartet und noch vor der Übergabe der Perlen hinaus. Geteilter Erfolg ist nur halber Erfolg.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur ein kleiner Hinweis: Der Film geht nicht so traurig aus wie man dann vermutet. Die einfache – und doch bisweilen so schwer erreichbare – Moral, die ich daraus ziehe: Vergangenes lastet immer nach, doch bereits ein kleiner Lichtblick kann die erlösende Rettung bedeuten.

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Nachtrag 15.02.: Goldener Bär für „La teta asustada“

Warum weinen Frauen?

Neigen Frauen eher zum Weinen als Männer? Zu diesem Thema an dieser Stelle eine Geschichte aus Arabien, die ich im Internet gefunden habe.


Ein kleines nicaraguanisches Mädchen weint. – Foto (c) Anja Polaszewski

Ein kleiner Junge fragte seine Mutter: „Warum weinst du?“
„Weil ich eine Frau bin,“ erzählte sie ihm.
„Das versteh ich nicht,“ sagte er.
Seine Mama umarmte ihn nur und sagte:
„Und das wirst du auch niemals.“

Später fragte der kleine Junge seinen Vater:
„Warum weint Mutter scheinbar ohne einen Grund?“
„Alle Frauen weinen ohne Grund“, war alles, was sein Vater sagen konnte.

Der kleine Junge wuchs heran, wurde ein Mann und fragte sich immer noch, warum Frauen weinen. Endlich rief er Allah an, fragte ihn:
„Allah, warum weinen Frauen so leicht?“

Allah sagte: „Als ich die Frau machte, musste sie etwas Besonderes sein. Ich machte ihre Schultern stark genug, um die Last der Welt zu tragen, doch sanft genug, um Trost zu spenden. Ich gab ihr eine innere Kraft, um sowohl Geburten zu ertragen, wie die Zurückweisungen, die sie von ihren Kindern erfährt. Ich gab ihr eine Härte, die ihr erlaubt weiterzumachen, wenn alle Anderen aufgeben und ihre Familie in Zeiten von Krankheit und Erschöpfung zu versorgen, ohne sich zu beklagen.

Ich gab ihr Gefühlstiefe, mit der sie ihre Kinder immer und unter allen Umständen liebt, sogar wenn ihr Kind sie sehr schlimm verletzt hat. Ich gab ihr Kraft, ihren Mann mit seinen Fehlern zu ertragen und machte sie aus seiner Rippe, damit sie sein Herz beschützt. Ich gab ihr Weisheit, damit sie weiß, dass ein guter Ehemann niemals seine Frau verletzt, aber manchmal ihre Stärke und ihre Entschlossenheit testet, unerschütterlich zu ihm zu stehen.

Und zum Schluss gab ich ihr eine Träne zum Vergießen. Die ist ausschließlich für sie, damit sie davon Gebrauch macht, wann immer es nötig ist. Siehst du: Die Schönheit der Frau ist nicht in der Kleidung, die sie trägt, die Figur, die sie hat oder in der Art, wie sie die Haare trägt. Die Schönheit einer Frau muss in ihren Augen erkannt werden, weil sie das Tor zu ihrem Herzen sind – der Ort, an dem Liebe wohnt…“

Und – weil es so schön war – an dieser Stelle noch ein amerikanisches Sprichwort zum Nachdenken. „Männer sind stark, aber zerbrechlich. Frauen sind weich, aber zäh.“

Wir ergänzen uns eben doch – Männer und Frauen.

An einem Sonntag im November…

… endete – zumindest für dieses Jahr – im Berliner Friedrichstadtpalast eine Revue von Thomas Münstermann mit dem schlichten und dennoch nicht wenig klangvollen Namen Rhythmus Berlin. Es handelte sich sozusagen um die „Saisonderniere“.
(Mein ehemaliger Professor würde mich jetzt, hätte er diesen Begriff statt meiner gebraucht, verschmitzt lächelnd anschauen und eigentlich mehr sich selbst als mich fragen: „Habe ich hier etwa einen neuen Terminus kreiert?“ Ein Jahr nach meinem Abschluss stelle ich gerade fest, dass er mir tatsächlich ein bisschen fehlt.
)
Eine Saisonderniere also, die ich mir nicht entgehen ließ.

Rhythmus Berlin, am 2. März 2007 erstmals aufgeführt, erinnerte mich stark an die Revue Glanzlichter, die im September letztmalig lief. Wieder mit von der Partie – und inzwischen aus Revuen auch nicht mehr wegzudenken – war die berühmte Girlreihe mit noch immer 32 hübschen Mädchen, ihren 64 mehr oder weniger langen Beinen, bunten, kurzen und natürlich hauteng anliegenden Kostümchen – die kleineren Frauen außen, die größeren in der Mitte. Faszination präponierter Applaus: Kaum hatte die Gruppe die Bühne betreten, brach auch schon ein tosender Applaus los, der sich – angesichts soviel geballter weiblicher Attraktivität – mit anerkennenden Pfiffen und bewunderndem Raunen mischte.

Auch das Todesrad mit den Brüdern Ray und Rudy Navas-Velez und ein paar andere Akrobatikeinlagen wurden wieder varieteartig in die Show integriert, doch das Hauptaugenmerk lag auf den Rhythmen – oder präziser: auf einem Rhythmus, der sich aus den verschiedenen facettenreichen Großstadtrhythmen zu einem gewaltigen, explosiven Rhythmus zusammenfassen lässt. Ich vermute, diese Beschreibung liegt in der Intention der Macher. Schade, denn hier hatte ich doch tatsächlich mehr Rhythmus als Performance erwartet.

Wie bei Glanzlichter wurden Effekte, Musik, Tanz und Gesang mit einer jungen „Liebesuchgeschichte“ (erneute – und diesmal weniger indirekte – Grüße an Sie, verehrter Prof. Stein!) verbunden.

Zwei junge Menschen (Besetzung: Nathalie Tineo und Fabrizio Levita), zwei einsame Herzen, begegnen sich während einer Spätvorstellung im Kino, ihre Blicke treffen sich, die Liebe trifft sie wie der Schlag. Doch sie trauen sich nicht, sich aufeinander zuzubewegen. Nach der Vorstellung gehen sie zögernd auseinander. So schnell, wie sie sich begegnet sind, verlieren sie einander auch aus den Augen. Fortan ziehen sie wie in Trance durch die Metropole.

Er – ein attraktiver und erfolgreicher Fotograf, sie – ein schöner und renommierter Star, und doch sind sie beide erfüllt von einer unbestimmten Sehnsucht, die für sie der Start einer – wenn auch nur in Ansätzen erahnten – Bewahrheitung ihrer Träume bedeutet. Auf ihrer Suche nach einander lernen sie außergewöhnliche Charaktere auf Bahnhöfen, in Clubs, Parkanlagen und auf Straßen kennen, doch die gewünschte Begegnung in dem ewig geschäftigen Treiben Berlins bleibt aus. Vorerst…

Für das Genießen dieser Revue ist es nicht notwendig zu erfahren, ob die beiden jungen Menschen zueinander finden werden: Rhythmus Berlin ist nicht nur eine Liebeserklärung eines Mannes an eine Frau und umgekehrt, sondern vielmehr an die einzigartige, „große, neue, alte Stadt Berlin“.

Nicht zuletzt spielt hier die Zeit eine wesentliche Rolle. Immer wieder rückt sie in den Vordergrund des Interesses, wird in Akrobatik-, Tanz- und Gesangsnummern thematisiert – als wesentliches Element der Darstellung der niemals ruhenden, immer hektischen Metropole Berlin.

In der Pause hatte ich kurz das Gefühl, ein ungefähres Déjà-vu zu Glanzlichter, ja wenn nicht sogar ein Déjà-entendu zu erleben. Ein aufwändiges Bühnenbild jagt das nächste, eine beeindruckende Illumination folgt gleich auf eine andere. Für mich war die ganze Show eine geballte Reizüberflutung, doch deshalb keinesfalls sinnlose Effekthascherei. Ästhetisch ohne Frage, doch hätte eine dezentere und gezielter Einsetzung eine weitaus höhere Wirkung auf mich erzielen können.

Dennoch ist die Revue ein Spektakel für Augen, Ohren und Gefühl: Grandios war eine Einlage mit einem kelchartigen Wasserbecken, das gerade zwei Leuten Platz zum darin sitzen bot. Das transparente und bis zum letzten Viertel mit Wasser aufgefüllte Becken war einige Meter unterhalb der Decke mit drei Ketten fixiert. Zwei Künstler boten hierin eine atemberaubend schöne, teilsynchrone und zu Tränen rührende „Liebestaumeltanzperformance“ zu träumerischer Musik dar.

Faszination Friedrichstadtpalast: Einst eine Markthalle, hat er sich inzwischen zu einem wahren „Marktplatz der Sensationen“ entwickelt. Und nicht nur Professor Stein, sondern ganz bestimmt auch Egon-Erwin Kisch, wären jetzt sehr stolz auf mich.

Wenn Dir der Atem stockt…

Vor circa zwei Wochen war ich mit einem Freund im Friedrichstadtpalast. Wir haben uns die – inzwischen leider beendete – Show GLANZLICHTER angeschaut.

Die Reise beginnt in Berlin, weiter geht es zum Broadway ins New York der 20-er Jahre, und im Anschluss findet man sich in Paris wieder und erlebt eine große Revue hautnah mit.

Das jeweils Unverwechselbare, Sehenswerte und Typische der drei tosenden Metropolen wird in Verbindung mit einem grandiosen Farb-, Licht- und Klangspektakel dargestellt, und die drei Städte verschmelzen beinahe „nahtlos“ miteinander und ineinander. Dabei wurde keinesfalls auf eine großzügige und üppige Ausstattung verzichtet… „Pompös“ wäre wohl ein bezeichnendes Wort für die Show.

Jede einzelne der Inszenierungen und jedes Element für sich waren einzigartig anzusehen und haben mich schwer bewegt. Eine grandiose Trapeznummer mit einer attraktiven Aktobatin ließ mich konzentriert und verträumt zugleich sein, zu Tränen gerührt war ich bei dem Lied Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin…, 50 Paar synchron steppende Füße und die typische „Girlreihe“ haben mich staunen lassen, und der Atem stockte mir beim Todesrad.